Analyse : Taktikschule: Warum es für die Russen gegen Spanien sehr schwer wird

Vor dem Halbfinale Russland gegen Spanien am Donnerstag (20.45 Uhr/ARD) fragt sich unser Experte Mathias Klappenbach, wie die Russen die spanische Dominanz kontern können.

Mathias Klappenbach
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Schnell über die Außen. Und hinten gut absichern.Grafik: Bartel

Niemand hat bei dieser EM vor dem Halbfinale mehr Schüsse abgegeben, häufiger dabei auch auf das Tor gezielt, mehr Pässe gespielt und mehr Prozent dieser Anspiele an den eigenen Mann gebracht als die Spanier. Daten, die unterstreichen, welche Dominanz die Mannschaft von Luis Aragonés mit ihrer Spielweise ausübt. Beim Ballbesitz liegen die Spanier auf Platz zwei hinter Portugal. 4:1 hieß es in der Vorrunde gegen die Russen – in diesem Spiel hatte aber der Gegner häufiger den Ball. Die Russen vergaben mehrere gute Chancen, es hätte auch anders ausgehen können. Beide Seiten gehen davon aus, dass es nun ein anderes Spiel werden wird – dabei macht beide gerade ihre Spielweise so stark. Würde ein Team versuchen, diese zu ändern, um sich auf den Gegner einzustellen, würde es sich seiner Stärken berauben.

Die Spanier werden sich mit Kurzpässen über ihr überragendes Mittelfeld nach vorne spielen und dort das versuchen, womit man jede Viererkette überwinden kann: Anspiele in die Lücken zwischen Außen- und Innenverteidiger. Hier ist auch heute eine mutmaßliche Schwachstelle der Russen. Als kleine Änderung könnte dort Sergej Semak sehr defensiv spielen, um diese Lücken abzudecken. Die Russen werden bei Ballbesitz wieder überfallartig nach vorne stürmen, insbesondere der linke Außenverteidiger Juri Schirkow (Foto). Immer wieder betonen die Trainer, welch wichtige Rolle im modernen Fußball den Außenverteidigern zukomme. Sie haben oft die meisten Ballkontakte, weil sie erste Anspielstation für den Torwart sind und weil sie das Spiel ins Mittelfeld tragen. Schirkow trägt es gleich bis ganz nach vorne, mit ihm kann Andrej Arschawin kombinieren, weil Schirkow dann gefährliche Flanken schlägt oder selbst schießt. Bei den anderen (auch den Spaniern) sucht man einen solchen Außenverteidiger bei dieser EM vergebens.

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