Analyse : Taktikschule: Wie die deutsche Mannschaft heute Portugal schlagen will

Vor dem heutigen Viertelfinale zwischen Portugal und Deutschland (20.45 Uhr/ARD) erklärt unser Experte Mathias Klappenbach, was auf die deutsche Defensive gegen die Portugiesen zukommt.

Mathias Klappenbach
Taktikschule GER
Das Spiel durchbringen. Um die Anspielstationen abzudecken, müssen alle deutschen Spieler optimal ihre Position im Raum...Grafik: Bartel

Gegen Portugal stellt sich für die deutsche Mannschaft die Frage, was es heißt, "unser Spiel durchzubringen" (Bundestrainer Joachim Löw), auch wenn man mal als klarer Außenseiter in ein Spiel geht. Konzept- und systemtreu ist der Bundestrainer, seine Grundformation wird er nicht wie die Italiener und Franzosen einfach ändern. Sein eigenes Spiel kann man gegen die Portugiesen aber nur durchbringen, wenn man ihres ständig unterbindet.

Die Frage ist, wo man damit anfängt. Tschechien sah gegen Portugal lange defensiv gut aus, als es mit zwei Viererketten erst spät angriff und so den oft die Seiten tauschenden Solokünstlern Cristiano Ronaldo und Simao (oder Ricardo Quaresma) auf den Flügeln wenig Raum ließ. Die Portugiesen können ihre Angriffe aber auch anders entwickeln – etwa mit Doppelpässen über die zentrale Spitze Nuno Gomes, die bereits zu zwei Toren führten. Eines davon erzielte Deco, der überall ist. Er kommt oft weit aus der Tiefe, um das Spiel mit seinen großartigen Pässen zu entwickeln. Um die meisten Optionen der Portugiesen entscheidend zu stören, muss eigentlich Deco wirksam früh im Mittelfeld gestört werden.

Greifen die Deutschen Deco aber dort an und werden beispielsweise durch Joao Moutinho oder Petit überspielt, wird es schwierig, weiter hinten Überzahlsituationen herzustellen, wenn etwa Cristiano Ronaldo einen von Decos genau getimten Diagonalpässen bekommt. Ronaldo muss aber gedoppelt oder gar getrippelt werden, um ihn stoppen zu können. Um die Anspielstationen abzudecken, müssen alle deutschen Spieler optimal ihre Position im Raum verschieben, wenn der ballführende Spieler unter Druck gesetzt wird. Genau das hat in den bisherigen Spielen aber überhaupt nicht gut geklappt, als die Gegner sich deswegen relativ leicht Räume auf den Außenpositionen erschließen konnten. An ein eigenes Spiel zum Durchbringen wäre so am Donnerstagabend kaum zu denken.

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