Analyse : Zurück im Fußballgeschäft: Dieter Hoeneß

Herthas langjähriger Manager Dieter Hoeneß fängt beim deutschen Fußball-Meister VfL Wolfsburg neu an - und entmachtet damit Armin Veh, der wie zuvor Felix Magath die Jobs des Trainers und Managers auf sich vereinte.

Robert Ide,Christian Otto
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Hat gut lachen. Dieter Hoeneß kehrt zurück in die Bundesliga. Foto: p-adpa-Zentralbild

Berlin - Wie geht’s Ihnen, Herr Hoeneß? „Sehr gut“, schallt es, verbunden mit einem munteren Lachen, aus dem Telefon zurück. Dann sagt der Bundesliga-Manager, der sich an diesem Montag noch außer Dienste befindet, dass er erst mal nichts weiter sagen könne. Damit hat er eigentlich schon genug erzählt.

Dieter Hoeneß ist zurück im Fußballgeschäft. Der Aufbauhelfer, Visionär und dann wegen seiner Allmacht schnöde verabschiedete Übermanager von Hertha BSC darf wieder Teil seiner Welt sein. Dementieren will er das nicht in jenen hektischen Stunden, in denen bei seinem neuen Arbeitgeber das alte Machtgefüge auseinandergenommen wird, um angemessen viel Platz für ihn zu schaffen. Denn aus Vereinskreisen wird die kleine Sensation längst bestätigt: Der VfL Wolfsburg, amtierender Deutscher Meister, bekommt einen Übermanager.

Armin Veh, der ab sofort nur noch auf dem Papier Trainer, Sportchef und Geschäftsführer in Personalunion sein darf, hat dem hohen Anspruch nicht genügen können. Veh, der sich am Montag bereits im Urlaub befand, mochte sich zur pikanten Veränderung des Organigramms, die seiner Entmachtung gleichkommt, nur in zwei nichtssagenden Sätzen äußern: „Am Wochenende haben Dieter Hoeneß und ich über unsere Zusammenarbeit gesprochen. Und ich kann sagen, dass ich überzeugt bin, dass sie zum Wohle des VfL sein wird.“ Vorsichtshalber versandte Vehs Arbeitsgeber diese Aussage.

Nach Abschluss der Hinrunde durch ein zu Wolfsburgs mäßigen Auftritten in Bundesliga und Champions League passendes 2:2 bei Eintracht Frankfurt hatte das wichtigste Gremium des Volkswagen-Vereins Veh noch rhetorisch gestärkt. „Armin Veh steht nicht zur Disposition. Er ist Trainer, Sportdirektor und Geschäftsführer“, hatte Aufsichtsratschef Francisco Javier Garcia Sanz erklärt – aber offen gelassen, ob der 48 Jahre alte Veh nicht zumindest Gesellschaft in der Klubführung bekomme. Der bisherige starke Mann wurde dann am Montag durch stundenlanges Schweigen aus der Klubzentrale zur offenkundigen Personalie geschwächt. Auch die anderen Führungskräfte rangen um ihre Position. Spät am Tage ließ der Verein wissen, was längst Gewissheit war: Der 56 Jahre alte Hoeneß wird ab Januar Chef der Geschäftsführung in Wolfsburg; er erhält einen Dreijahresvertrag. Weiterhin wurde mitgeteilt, dass Geschäftsführer Jürgen Marbach um seine Vertragsauflösung gebeten habe.

Marbach sollte Bindeglied zwischen dem Volkswagen-Konzern und seinem in der Bundesliga spielenden Tochterunternehmen sein, geriet als Partner von Veh aber zwischen alle Vereinslinien. Die ersten Gerüchte über die Verpflichtung von Hoeneß, die Anfang November vor Wolfsburgs Champions-League-Spiel bei Besiktas Istanbul aufgekommen waren, hatte Marbach noch als Quatsch abgetan und vehement dementiert. Die Entscheider von VW aber, die den Aufsichtsrat dominieren, müssen offensichtlich hinter dem Rücken der aktuellen Geschäftsführung eine andere Sicht der Dinge gehabt haben.

Hoeneß, der seit dem vorzeitigen, von Hertha erzwungenen Abschied im Juni keine Anstellung hatte, kommt die neue Aufgabe gerade recht. Am Montagabend sprach er von einer „tollen Herausforderung“ bei einem Klub mit „großen Ambitionen“. Mit dem VfL findet er einen Verein vor, der nach dem Meistertitel weiterhin von Größerem träumt und dafür finanzielle Mittel zur Verfügung hat. Hoeneß, der bei Hertha wegen seiner Einkaufspolitik auch für den hohen Schuldenstand verantwortlich gemacht wurde, dürfte beim VfL auf weniger Grenzen stoßen als beim Berliner Bundesligisten, der nach Verpassen der ChampionsLeague-Plätze seine besten Spieler ziehen ließ und keinen gleichwertigen Ersatz zu holen imstande war. Unter Nachfolger Michael Preetz dümpelt Hertha – ein Verein, den Hoeneß ab April 1997 mit viel fremdem Geld und persönlichem Einsatz in die Bundesliga sowie mehrmals in europäische Wettbewerbe geführt hatte, abgeschlagen am Tabellenende herum. Hoeneß selbst war bei keinem Hertha-Spiel mehr auf der Tribüne gesehen worden, auch nicht am Wochenende beim Gastspiel in seiner alten neuen Heimatstadt München.

Das wird sich am dritten März-Wochenende ändern. Dann spielt Hertha gegen Hoeneß in Wolfsburg.

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