Sport : Anarchie auf Schalke

Sven Goldmann

über die Beurlaubung von Trainer Jupp Heynckes Der Fußballlehrer Jupp Heynckes ist gestern von seinen Aufgaben bei Schalke 04 entbunden worden. So eine Entlassung kommt vor, in der Bundesliga ist es die 279. seit der Premierensaison vor 31 Jahren. In der Mannschaft gebe es Vorbehalte gegen Heynckes’ Arbeit, hat Manager Rudi Assauer erzählt. Auch so etwas soll vorkommen: Genau genommen steht jeder Trainer in der Pflicht, ein ständiges Potenzial an Unzufriedenheit zu schaffen, das dann von den Unzufriedenen umgesetzt wird in Motivation und Leistung.

Eher ungewöhnlich ist es, dass die Vorbehalte der Spieler basisdemokratisch in eine Entlassung des Trainers münden. Beim FC Schalke 04 hat nun erstmals im Zeitalter der Fußball-GmbHs eine Geschäftsführung ihre Handlungskompetenz an das kickende Personal abgetreten, und zwar abseits des eigentlichen Arbeitsauftrages auf dem Rasen. Neidisch werden sie aus dem rückständigen München ins progressive Gelsenkirchen schauen. Bei der Belegschaft des FC Bayern waren die Vorbehalte gegen Felix Magath so groß, dass der seinen Dienst erst gar nicht hätte antreten dürfen. Spätestens nach der Bemerkung, die Spieler würden mehr Zeit zum Gelen ihrer Haare denn zum Training aufwenden, hätten die Angestellten des FC Bayern auf einer Vollversammlung eine öffentliche Auspeitschung ihres Trainers durchgesetzt, wenn man sie denn gefragt hätte.

Es hat sie aber niemand gefragt, so wie die Aktionäre der Deutschland AG auch nicht nach jeder Bundestagsdebatte über eine Kündigung des Vorstandsvorsitzenden Gerhard Schröder entscheiden. Anarchie ist eine hübsche Idee mit dem winzigen Nachteil, dass sie noch nie und nirgendwo funktioniert hat. Sollte das basisdemokratische Experiment auf Schalke scheitern, werden sich dafür nicht nur die Spieler rechtfertigen müssen.

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