Sport : Anderes Modell, gleiches Problem

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Bei einem Stau auf der Tegernseer Landstraße kann es etwas länger dauern, mehr als 20 Minuten braucht man mit dem Auto vom Sportpark Unterhaching zum Trainingsgelände des TSV 1860 München an der Grünwalder Straße aber auf keinen Fall. Die Verantwortlichen der SpVgg Unterhaching können also hinterher nicht sagen, sie hätten keine Möglichkeit gehabt, sich bei den Kollegen aus erster Hand zu informieren. Unterhaching scheint vielmehr gewillt, mit offenen Augen ins Verderben zu laufen: Der Fußball-Drittligist teilte am Dienstag mit, dass ein arabischer Geschäftsmann als Investor bei ihm einsteigt.

Der 32-jährige Khalifa Saif Al Muhairibi aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Vorsitzender bei Arabian Gulf Investments, hat seine Absicht bekundet, den ehemaligen Bundesligisten zurück in die Erste Liga zu bringen. Der Vertrag ist noch nicht unterzeichnet, Details des Geschäfts noch unbekannt. „Wir wollen es aber nicht so machen wie 1860 München“, versichert Präsident Engelbert Kupka lediglich. „Wir wollen ein anderes Modell.“ Dabei übersieht Kupka, dass jedes Investoren-Modell die gleiche Grundlage hat: Kurzfristig wird arabisches Geld seinem Klub vielleicht helfen, langfristig aber wird auch Unterhaching nicht mehr Herr im eigenen Vereinsheim sein.

Genau das ist bei den Münchner Löwen passiert, wo Investor Hasan Ismaik jetzt den Einfluss einfordert, den ihm der Klub seiner Meinung nach für seine 18 Millionen Euro schuldet. Der aktuelle Machtkampf bei 1860 zeigt: Wer viel Geld auf den Tisch legt, will Entscheidungen nicht abnicken, sondern selber treffen. Und kümmert sich dabei auch nicht um gewählte Funktionsträger – wie zum Beispiel einen Vereinspräsidenten. Womöglich wünscht sich Engelbert Kupka bald, doch einmal in der Grünwalder Straße vorbeigeschaut zu haben.

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