Sport : Anders als die anderen

Der extrovertierte Ian Moran soll den Eisbären neuen Schwung bringen

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Trainer Pierre Pagé hat seine Mannschaft wie immer in zwei Trainingsgruppen unterteilt. Die eine trägt orangefarbene Trikots, die andere läuft in Lila über das Eis im Wellblechpalast von Hohenschönhausen. An diesem Samstagmorgen ist ein Orangener zum ersten Mal dabei. Er heißt Ian Moran. Der EHC Eisbären hat ihn am Donnerstag verpflichtet, am Freitag ist er in Berlin angekommen. Bei seiner ersten Trainingseinheit ist der 1,83 Meter große und 91 Kilogramm schwere Eishockeyspieler für den Laien kaum zu unterscheiden von seinen orangenen Teamkollegen. In den kommenden Wochen aber soll Moran den Unterschied machen. Bereits heute wird der 34 Jahre alte US-Amerikaner in Iserlohn auflaufen. „Er kann der Mannschaft einen positiven Impuls geben“, sagt Eisbären-Manager Peter John Lee.

Die Eisbären stecken in einer Krise, zuletzt haben sie drei Spiele hintereinander verloren. Neun Spieltage vor dem Ende der Hauptrunde in der Deutschen Eishockey-Liga hat der Meister vier Punkte Rückstand auf den sechsten Rang, der sicher zur Teilnahme an den Play-offs berechtigt. Das Verhältnis zwischen Trainer Pagé und seiner Mannschaft gilt als ausbaufähig. Ob ein Einzelner in einem Kader von 22 Profis die Stimmung kippen kann, ist fraglich.

Moran allerdings verfügt über Qualitäten, die im Team der Eisbären zuletzt gefehlt haben. „Er ist ein extrovertierter Typ“, sagt Jeff Tomlinson. Dem Trainer der zweiten Mannschaft und Scout der Eisbären ist Moran vor einigen Jahren schon aufgefallen, als er für Pittsburgh in der nordamerikanischen Profiliga NHL spielte. „Ihm wurde ein Mikrofon ans Trikot montiert, so dass man alles hören konnte, was er gesagt hat“, erzählt Tomlinson. „Das Erstaunliche war, dass er nie aufhörte zu reden. Selbst von der Bank aus hat er weiter mit seinen Kollegen gesprochen.“ Auch deshalb hat sich Manager Lee für Moran entschieden. „Er ist ein sehr positiver Typ und wir hoffen, dass er davon etwas weitergibt an die anderen“, sagt Lee.

Im ersten Training bei den Eisbären redet Moran noch nicht viel. „Ich bin noch ein bisschen müde“, sagt er. Der Jetlag hat seinen Schlafrhythmus durcheinander gebracht. Allzu viel dürfe man von ihm für das heutige Spiel gegen Iserlohn noch nicht erwarten, sagt Moran. Längerfristig aber kann der Defensivspieler die Eisbären in spielerischer Hinsicht ein Stück nach vorn bringen. Moran verfügt über die Erfahrung aus 555 Einsätzen in der NHL. Zuletzt spielte er in Nordamerika jedoch kaum noch. Im November 2005 erlitt er eine schwere Knieverletzung, wurde operiert und konnte deshalb in der vergangenen Saison nur zwölf Spiele für die Boston Bruins bestreiten. In dieser Spielzeit wurde er bei den Anaheim Ducks ins Farmteam abgeschoben, bevor er zu den Eisbären wechselte.

In Berlin will Moran wieder regelmäßig auf dem Eis stehen, er will Verantwortung übernehmen. Ob er etwas von dem Druck spüre, der zur Zeit auf den erfolglosen Eisbären lastet? Moran lacht über die Frage, seine weichen Gesichtszüge geben ihm trotz der Narben an Kinn und Mund ein freundliches Aussehen. „Druck gibt es doch überall“, sagt er.

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