Andre Agassi : Mut zur Offenheit

Andre Agassis Autobiografie hat vieles enthüllt und viele schockiert – nun stellte er sie in Berlin vor.

Anke Myrrhe

Berlin - Andre Agassi muss lachen. „Besser wird’s nicht“, sagt er und setzt sich endlich hin. Noch fünf Minuten nachdem er den Palaissaal II des Adlons am Brandenburger Tor betreten hat, nimmt das Blitzlichtgewitter kein Ende. Nach rechts und nach links muss er sich drehen, vor dem großen Plakat mit der schonungslosen Nahaufnahme seines Gesichtes, die auch das Cover des Buches schmückt, das Andre Agassi in seinen Händen hält.

Der Trubel, der Agassi in Berlin erwartet, ist natürlich nicht neu für den 39-Jährigen. Zwanzig Jahre lang stand er im Fokus der Öffentlichkeit, als Tennisstar, Sportikone, Idol von Millionen. Und dennoch blitzt nun eine kurze Unsicherheit auf, ein verlegenes Lächeln, ein leichtes Erröten. Diese Rolle ist neu für Andre Agassi. Das Buch, das er in den Händen hält, sein „Selbstporträt“, hat seit dem Tag des Erscheinens am 9. November weltweit große Aufregung ausgelöst. Nicht nur wegen des Drogengeständnisses, sondern auch weil Agassi darin zum ersten Mal zugibt, Tennis seit Kindesalter abgrundtief gehasst zu haben. Weil er die Beziehung zu seinem tennisbesessenen Vater aufarbeitet. Und weil einige seiner damaligen Kontrahenten – wie Boris Becker, Jimmy Connors oder Michael Chang – nicht besonders gut wegkommen.

Seither erklärt sich Andre Agassi. „Open“ hat er seine Geschichte genannt, und immer wieder erläutert er, dass es ihm vor allem um eines ging: absolut ehrliche Memoiren aufzuzeichnen. „Wenn du ein Buch ,Open‘ nennst, dann solltest du besser offen sein“, sagt er. „Ich hoffe, die Leute verstehen, dass es darum geht, was ich in diesen Momenten gedacht und gefühlt habe, in der Hitze des Gefechts.“

Schonungslos ist es. Teilweise so sehr, dass sein Vater es niemals lesen wird. So wollte es Andre Agassi. Seit seinem Rücktritt vom Tennis 2006 hat er an diesem Buch gearbeitet. Wohl auch, weil er sich der Hilfe des Pulitzerpreisträgers J.R. Moehringer bediente, ist aus der Lebensgeschichte Agassis ein fesselndes Buch entstanden. Ein wenig zu kitschig hier, etwas zu viel Pathos da, und doch: Agassi schafft es, dass man ihm glaubt, die Geschichten nicht nur zur Verkaufsförderung enthüllt zu haben. „Das Buch heißt nicht ,Open‘ wegen der Drogen, sondern weil ich Sie in meinen Kopf blicken lasse“, sagt er. „Vielleicht können Menschen, die es lesen, Fehler vermeiden, die ich gemacht habe.“ Für ihn selbst war das Buch eine Art Therapie. Er, der so lange nur seinem Vater zuliebe Tennis spielte, bis er am Tiefpunkt seiner Karriere selbst den Entschluss fasste, dass er weitermachen will. „Erst dann hat sich Tennis für mich zum Guten gewendet.“ Ebenso wie sich sein Leben komplett verändert hat.

Andre Agassi: Open. Das Selbstporträt. Droemer-Verlag. 608 Seiten, 22,95 Euro.

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