Andreas Dittmer : Kein Wunder im Kanu

Nach dem ersten Halbfinal-Aus seiner Karriere endet für den dreimaligen Kanu-Olympiasieger Andreas Dittmer der Traum vom Gold über 500 Meter.

Susanne Rohlfing[Peking]
Peking 2008 - Kanurennsport - Andreas Dittmer
Neue Erfahrung. Dittmer leidet.Foto: dpa

Andreas Dittmer hatte sich Regen gewünscht. Und jetzt regnete es also, den ganzen Tag schon, fast ununterbrochen. Das Wetter lag Dittmer, und es erschien somit möglich, dass der Abschied des Kanuten von der großen Bühne doch noch ein glanzvoller würde. Eine Karriere wie die seine hätte ein Ende mit olympischem Gold verdient. Doch am zweiten Tag der Kanuhalbfinals im Shunyi Park vor den Toren Pekings wurde der 36-jährige Canadier-Spezialist am Donnerstag über 500 Meter nur Vierter. Damit verpasste er das Finale. Dittmer, der seine Karriere nach dieser Saison beenden will, hat nun nur noch ein olympisches Rennen vor sich. Das 1000-Meter-Finale am Freitag. Ausgerechnet. Die 1000 Meter waren einmal seine Vorzeigedistanz. Aber in den letzten Jahren war er über die 500 Meter besser.

Als der Neubrandenburger nach dem Halbfinale aus dem Boot stieg, machte der Regen Pause. Dittmer hatte keine Erklärung für sein Ausscheiden. „Ich bin immer ins Finale gekommen, generell, egal, wo ich gestartet bin“, sagte er. Es sind seine vierten Olympischen Spiele, er ist drei Mal Olympiasieger geworden und acht Mal Weltmeister. Wenn es um den Kanusport geht, fallen auf Anhieb zwei Namen: Birgit Fischer und Andreas Dittmer. Der Bankkaufmann durfte so oft jubeln, wenn er aus dem Boot gestiegen ist. Gestern sagte er nun: „Ich bin deprimiert. Enttäuscht. Traurig.

"Ich quäle mich. Das ist ungewöhnlich."

Schon am Anfang dieser Olympiasaison war er nicht recht in Schwung gekommen. Die erste nationale Sichtung brach er ab, ein Halswirbel war blockiert. Zum ersten Mal seit Jahren musste er um einen Startplatz beim Saisonhöhepunkt bangen. Ein 20-Jähriger machte Druck. Sebastian Bredel aus Potsdam. Aber bei den entscheidenden Weltcups in Szeged und Duisburg hatte dann doch der Routinier die Nase vorn. In Szeged wurde Dittmer zweimal Zweiter, gerade rechtzeitig, um den Verfolger abzuschütteln. In Duisburg feierte der Neubrandenburger einen Sieg über 500 Meter. „Ich war genau im Fahrplan. Im Training kamen die Zeiten, die Ergebnisse stimmten“, sagte Dittmer.

Er stammt aus einer sportlichen Familie. Seine Mutter war Hürdensprinterin, sein Vater auch Kanute. Dittmers Schwester Anja ist Triathletin, sie gehört zum Peking-Kader und beendete ihren Wettkampf auf Rang 33. Im Moment macht Andreas Dittmer das Boot fahren aber nicht mehr wirklich Spaß: „Seit ich in China den ersten Paddelschlag gemacht habe, quäle ich mich. Das ist ungewöhnlich.“ Er dachte, die Hitze sei Schuld und wünschte sich Regen und Abkühlung. Jetzt hat es geregnet – Dittmer ist trotzdem ausgeschieden. Nun hat er noch eine Chance, seinen letzten Kampf zu gewinnen – heute, über 1000 Meter. Aber Dittmer sagt: „Ich erwarte keine Wunder von mir.“

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