Andrej Woronin : Viel Erfahrung ausgeliehen

Andrej Woronin ist der neue Hoffnungsträger bei Hertha. Der 29-jährige Ukrainer soll mit seiner Erfahrung das junge Team führen.

Claus Vetter

Berlin - Im Juli ist Andrej Woronin 29 Jahre alt geworden. Das ist eigentlich für einen Fußballprofi ein sehr gutes Alter, eben das Alter, in dem Erfahrung und Jugend zusammentreffen. Für Lucien Favre, Trainer von Hertha BSC, allerdings sind 29 Jahre schon ein stolzes Alter: Denn bisher hat der Schweizer bei der Verpflichtung neuen Personals stets auf das späte Geburtsdatum geachtet – und das lag eben immer deutlich in den Achtzigerjahren. Bei Herthas jüngstem Zugang Woronin ist das anders. Und trotzdem wollte Favre den Stürmer, der zuletzt eine Saison lang eher unglücklich für den FC Liverpool gearbeitet hat, angeblich unbedingt haben. Der Trainer des Berliner Bundesligisten glaubt, dass der Ukrainer eine Führungsfigur für sein junges Team werden kann. „Wir haben nun in unserem jungen Team einen erfahrenen Angreifer.“ Das könne nicht verkehrt sein.

Am späten Montagabend, kurz vor Transferschluss um 24 Uhr, hatte Hertha BSC den prominenten Zugang vermeldet. Bei der Personalie Woronin blieb es dann auch: Alle anderen Profis, an denen die Berliner interessiert waren, können nun frühestens in der Winterpause wieder ein Thema in Berlin werden. Der 19 Jahre alte Felipe Caicedo aus Ekuador von Manchester City und der 21-jährige Rumäne Alexandru Curtean mussten wieder nach Hause reisen. Auch sie waren am Montagmittag wie Woronin auf der Transferliste aufgetaucht. Der Ukrainer kommt zunächst für ein Jahr auf Leihbasis zurück in die Bundesliga. Hertha BSC muss das Gehalt des 54-maligen Nationalspielers übernehmen. Der Bundesligist hat zudem eine Kaufoption, Woronins Vertrag in Liverpool läuft noch bis 2011.

In der Bundesliga ist Woronin keine unbekannte Größe. Da hat der Mann mit dem ausgeprägten Modegeschmack – Krokodillederschuhe und bunte Lederjacken sind beliebte Assessoirs von Woronin – jahrelang gespielt. Bereits 1997 debütierte der Ukrainer mit 18 Jahren bei Borussia Mönchengladbach. Seinen Durchbruch hatte er jedoch später beim FSV Mainz eine Klasse tiefer. Dort schoss er in der Saison 2002/2003 20 Treffer, bevor der Lieblingsschüler von Trainer Jürgen Klopp zum 1. FC Köln in die Bundesliga wechselte – und nach einer Saison schon wieder abstieg. „Es war nicht gerade meine beste Zeit“, sagte er später. Dafür war er dann in Leverkusen drei Jahre lang recht erfolgreich – wobei er sich auch den Ruf eines zwar kämpfenden Genies aber doch mitunter sehr eigensinnigen Profis erspielte. Im Februar 2007 hatte Woronin den Leverkusenern seinen Wechsel zum FC Liverpool angekündigt.

Gelohnt hat es sich für Woronin wohl letztlich mit dem England-Abenteuer nicht. Zuletzt saß er beim FC Liverpool nicht einmal mehr auf der Bank. In 27 Spielen für den Spitzenklub aus der Premier League hatte er sechs Tore erzielt – das ist eine sehr durchschnittliche Marke, für Liverpool ist sie sogar eher mäßig. Und weil der englische Rekordmeister nun auch noch den Iren Robbie Keane für 25 Millionen Euro von Tottenham Hotspur verpflichtet hatte, sah es schlecht aus für Woronin, was wiederum gut für Hertha war. Die Berliner hatten noch einen offensiven Mann gesucht, weil sich Amine Chermiti schwer am Knie verletzt hatte. Der Tunesier fällt mindestens zwei Monate aus.

Woronin sollte aber mehr als ein Ersatz für Chermiti sein, der in Berlin in der noch jungen Bundesliga-Saison bislang kaum etwas zeigen konnte. Um so größer ist bei Herthas Manager die Freude auf Woronin. „Wir haben hart daran gearbeitet“, sagte Dieter Hoeneß. „Für Hertha ist die Verpflichtung Woronins eine sehr gute Sache. „Andrej hat bewiesen, dass er unter Druck Leistung bringen kann.“

Vielleicht steht den Berlinern ein erfahrener Mann wie Andrej Woronin tatsächlich ganz gut zu Gesicht, beim 1:4 am Sonntag in München offenbarte die junge Berliner Mannschaft nach ihrem guten Saisonstart schon am dritten Spieltag doch ein paar Schwächen. Sonnabend in einer Woche kann Woronin nun im Olympiastadion auflaufen – zum zweiten Mal in dieser Saison. Im Juli hat er dort nämlich schon gespielt – noch für Liverpool und gegen die Berliner. Trotz guter Leistung scheiterte er mit einem Elfmeter an Hertha-Torwart Christian Fiedler. Das Spiel endete 0:0. Kommende Woche gegen den VfL Wolfsburg darf es da ein wenig mehr sein für Hertha – mit Woronin, der übrigens so schnell noch nicht nach Berlin kommen kann. Zurzeit ist er in Kiew, dort spielt er mit seiner Nationalmannschaft in der WM-Qualifikation am Sonnabend gegen Weißrussland. Und am Mittwoch muss er dann noch mit der Auswahl in Kasachstan antreten.

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