Andy Roddick : Seine letzte Spur

Mit einer Niederlage im Achtelfinale bei den US Open gegen Juan Martin del Potro endet die große Tenniskarriere von Andy Roddick. Der US-Amerikaner stand auf Platz eins der Weltrangliste, gewann den Davis-Cup und 32 Titel.

von
Sein letzter Kampf. Andy Roddick wurde bei seinem Abschied von den Tränen übermannt. Foto: AFP
Sein letzter Kampf. Andy Roddick wurde bei seinem Abschied von den Tränen übermannt.Foto: AFP

Als Andre Agassi vor sechs Jahren bei den US Open seine Karriere beendete, da war Andy Roddick erleichtert. Nicht, weil er etwas gegen den achtmaligen Grand- Slam-Sieger gehabt hätte. Agassi ist vielmehr sein Idol gewesen, so wie er es für unzählige Amerikaner war, die von einem Leben als Tennisprofi träumten. Roddick war einfach nur froh, dass es nicht er selbst gewesen ist, der Agassi in der dritten Runde bezwungen und damit der Laufbahn des Publikumslieblings ein Ende gesetzt hatte. „Wer will schon der sein, der Bambi erschießt?“, hatte Roddick damals gefragt. Benjamin Becker übernahm dann die Rolle des Spielverderbers.

Am späten Mittwochabend im Arthur-Ashe-Stadium, da war nun Roddick Bambi, und der Argentinier Juan Martin del Potro brach den amerikanischen Zuschauern das Herz. Sie hatten Roddick in den vergangenen sechs Tagen, seitdem er an seinem 30. Geburtstag überraschend verkündet hatte, dieses Turnier werde sein letztes sein, auf einer Woge der Zuneigung getragen und Roddick zu einem kleinen Abschiedshöhenflug verholfen. „Ich hätte nie gedacht, dass es so laut im Stadion sein könnte“, sagte er, „es beschämt mich ein wenig.“ Roddick war immer geradeheraus, doch er genoss die Anerkennung so sehr, dass er ganz vergaß, wie viele Probleme ihm sein Körper zuletzt bereitet hatte. Er schlug wieder mit 224 Stundekilometern auf und stürmte wie in seiner besten Zeit zig Mal ans Netz. Roddick wirkte spritzig und leichtfüßig, fand die berüchtigte Wucht seiner Vorhand wieder. Er spielte wie befreit, eine Last war von ihm abgefallen.

Die Partien gegen Bernard Tomic und Fabio Fognini wurden zum Schaulaufen, und die Fans wollten zu gerne glauben, Roddick bekäme im Achtelfinale eine weitere Fristverlängerung. Doch del Potro, der US-Open-Sieger von 2009, war eine Nummer zu groß, auch wenn Roddick bei der 7:6, 6:7, 2:6 und 4:6-Niederlage noch einmal alles gab. Seine Frau weinte auf der Tribüne, auch sein Trainerteam um Larry Stefanki kämpfte mit sich. Roddick überkamen die Tränen, und er rang nach Worten. „Zum ersten Mal weiß ich nicht, was ich sagen soll“, sagte er mit zittriger Stimme, „ich kann nur danke sagen, ich habe jede Minute geliebt.“ 13 Jahre lang war er das Gesicht des amerikanischen Tennis, ein Jahrzehnt stand Roddick konstant in den Top Ten, sogar 13 Wochen auf Platz eins. Er holte 2007 für die USA den Davis-Cup und gewann 32 Titel, davon 2003 die US Open. Dass es sein einziger Grand-Slam- Sieg blieb, haftete ihm lange als Makel an.

Die Erwartungen an Roddick waren enorm, erfüllen konnte er sie nicht. Sein Spiel war dafür etwas zu limitiert, und er traf mit Roger Federer zudem auf den vielleicht Besten, den es je gab. Ihr Wimbledonfinale 2009 war Roddicks bestes Match und zugleich seine schlimmste Niederlage. Mit 14:16 verlor er im fünften Satz. „Es war hart für Andy, nach uns anzutreten“, sagte Agassi, „aber er hat seine Spuren hinterlassen und uns einzigartige Momente geschenkt.“ Und Pete Sampras fügte hinzu: „Andy ist die letzte, wahre amerikanische Tennisgröße.“

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben