Sport : Angebot ohne Nachfrage

Nike will den DFB ab 2011 ausrüsten – Adidas auch

Til Knipper

Berlin - Bei der Mitgliederversammlung des Ligaverbandes der Deutschen Fußball-Liga (DFL) sucht man das Thema auf der Tagesordnung vergeblich. Werner Hackmann, Präsident des Ligaverbandes, räumt auf Nachfrage immerhin ein, dass er es in seinem Bericht vor den Vertretern der 36 deutschen Profivereine heute in Düsseldorf erwähnen wird. Es geht um das Angebot des Sportartikelherstellers Nike, ab 2011 als Ausrüster beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) einzusteigen. Angeblich wollen die Amerikaner 50 Millionen Euro jährlich für acht Jahre zahlen. Das wäre fünfmal mehr als der langjährige Partner Adidas bisher an den DFB überweist. Die Zahlen will Nike-Unternehmenssprecher Olaf Markhoff nicht bestätigen: „Wir haben dem DFB ein schriftliches Angebot gemacht, alles Weitere wird sich ergeben.“ Auch Hackmann will keine Details bekannt geben, sagt aber: „Das Angebot bewegt sich in einer Größenordnung, an der man nicht einfach vorbeigehen kann.“

Für die Mitglieder des Ligaverbandes ist das insofern interessant, da nach dem Grundlagenvertrag zwischen der DFL und dem DFB die Dachorganisation der deutschen Profivereine 18 Prozent der Einnahmen des DFB erhält. Eine Vorentscheidung für eine Zusammenarbeit mit Nike ist deswegen aber noch lange nicht gefallen. Zum einen arbeiten die Vereine selbst mit unterschiedlichen Herstellern zusammen, zum anderen hat der Ligaverband auch keinen direkten Einfluss auf den Abschluss eines Sponsorenvertrags des DFB.

Auch beim DFB gibt es keine eindeutigen Präferenzen für Adidas oder Nike „Man muss mit alten Partnern fair umgehen, daher haben wir Adidas sofort informiert“, sagt Hackmann, der auch DFB-Vizepräsident ist. Der DFB befindet sich durch das Nike-Angebot aber plötzlich unverhofft in einer ausgezeichneten Verhandlungsposition. Will Adidas auf seinem Heimatmarkt mit der Nationalmannschaft nicht einen ihrer populärsten Partner verlieren, müssen sie das Angebot der Konkurrenz schon übertreffen.

In Herzogenaurach sieht man das allerdings zurzeit noch anders. „Wir haben bereits Ende August bekannt gegeben, dass der bestehende Ausrüstungsvertrag bis mindestens 2014 verlängert wird, und freuen uns auf die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit dem DFB“, sagt Adidas-Sprecher Oliver Brüggen. Eine derartige Absichtserklärung hatten der DFB und Adidas nach Beilegung des sogenannten Schuhstreits geschlossen, in dem die Nationalspieler durchgesetzt hatten, bei Länderspielen mit Schuhen ihrer Wahl auftreten zu dürfen. Hackmann hält diese Vereinbarung aber nicht für rechtlich verbindlich: „Über die wirtschaftlichen Eckdaten wurde noch gar nicht gesprochen.“ In Düsseldorf kann er sich Anregungen holen, welche Vorstellungen die Vereine dazu haben.

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