• Angekommen in der Economy ClassStefan Effenberg enttäuscht bei Wolfsburgs 2:2 beim TSV 1860

Sport : Angekommen in der Economy ClassStefan Effenberg enttäuscht bei Wolfsburgs 2:2 beim TSV 1860

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Von Daniel Pontzen

München. Er blickte irritiert Richtung Südkurve, zögerte einen Moment und stapfte dann doch zum Wolfsburger Fanblock. Keine hundert Anhänger waren mitgereist, während der 90 Minuten waren sie kaum wahrnehmbar gewesen und doch hob Stefan Effenberg dankend einen Arm. Es wird ihm nicht leicht gefallen sein, da zu stehen und Freude auszustrahlen über ein 2:2 nach einer allenfalls durchschnittlichen Leistung beim ebenso durchschnittlichen TSV 1860 München. Und das im Olympiastadion, just an der Stelle, an der er im Trikot des FC Bayern München vor wenigen Monaten noch den Lauf des europäischen Fußballs mitbestimmt hatte, als er es mit Spielern wie Figo oder Zidane aufgenommen hatte.

Der Rummel, der ihn in die niedersächsische Provinz begleitet hat, wurde ihm auch bei seiner Rückkehr zuteil, doch keine auf ihn gerichtete Kamera, keine Sonderbewachung änderte etwas daran, dass er da angekommen ist, wo er so recht nicht hinpasst: ins pure Mittelmaß, in die Economy Class der Liga.

Die erste Halbzeit hätte für anspruchsvolle Fußballfreunde genug Gründe geboten, der zweiten fernzubleiben. Zwei nennenswerte Szenen boten sich den 20 800 Zuschauern: Zuerst klärte Harald Cerny nach einer Dreifach-Chance der Wolfsburger auf der Linie, anschließend köpfte Roy Präger an den Pfosten. „Dass eine dieser Chancen nicht reingegangen ist, verstehe ich jetzt noch nicht“, sagte Gästetrainer Wolfgang Wolf.

Die Münchner agierten nach der Derby-Niederlage gegen den FC Bayern am vorangegangenen Spieltag fahrig, unentschlossen, abwartend. Die einzige ansprechende Phase, gleich nach dem Wechsel, ergab sich eher zufällig. Harald Cerny hatte sich auf der linken Seite durchgesetzt und den freistehenden Michael Wiesinger bedient, der aus fünf Metern das überraschende 1:0 erzielte. Die sich in der folgenden Wolfsburger Druckperiode ergebenden Freiräume nutzte 1860 zu bisweilen gefälligen Spielzügen. Den ansehnlichsten vollendete Markus Schroth zum 2:0, nachdem ihn Martin Max bedient hatte. Dann folgte, was laut Münchens Trainer Peter Pacult „nicht hätte passieren dürfen. Anstatt weiter Fußball zu spielen haben wir nur noch die Pille hinten rausgeschlagen". Die Folge: Wolfsburg rannte weiter an und wurde belohnt: Robson Ponte verkürzte nach 77 Minuten auf 1:2, den Ausgleich erzielte Klimowicz per Kopf drei Minuten vor Schluss.

An Stefan Effenberg war das Spiel weitgehend vorbeigelaufen, auch die Aufholjagd, dennoch beteuerte Wolf, „allein seine Präsenz hat uns heute wieder geholfen". Der Rückkehrer selbst wollte nach Spielende nichts sagen. Vielleicht war er in Gedanken noch in der Südkurve, weit weit in der Vergangenheit.

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