Sport : Angekommen in der Ersten Liga

Die Füchse legen den Respekt ab und punkten

Hartmut Moheit

Berlin - Es dauerte ein wenig, bis die Zuschauer in der Max-Schmeling-Halle so richtig in Stimmung kamen. Was der Hallensprecher mit stereotypen Animationsfloskeln in bester Fischmarktverkäufertradition nicht schaffte, vermochte schließlich eine krasse Fehlentscheidung der Schiedsrichter. Diesen Eindruck hat jedenfalls Handballer Frank Schumann von den Füchsen Berlin beim Bundesligaspiel gegen den VfL Gummersbach gewonnen. „Als ich für zwei Minuten auf die Bank musste, da kochte es plötzlich in der Halle. Das war genau die richtige Stimmung, die wir für den Endkampf brauchten“, sagt der 27 Jahre alte Rückraumspieler im Nachhinein. Und diese Stimmung nennt er schließlich „die Grundlage dafür, dass es gegen den VfL noch zu einem 28:28 nach einer miserablen ersten Halbzeit gereicht hat“.

Es ist keine neue Erkenntnis, dass der Berliner Fan nicht mit Schnickschnack von den Sitzen zu reißen ist. Das Spiel gegen den Champions-League-Teilnehmer aus Gummersbach verdeutlichte das einmal mehr. Nach Schumanns Zwangspause, als es für den Aufsteiger in die Handball-Bundesliga in der 33. Minute noch 15:18 stand, kam die Atmosphäre auf, die für Siege gegen individuell stark besetzte Gegner notwendig ist. „Von da an hat das Spiel so richtig Spaß gemacht“, sagt Rechtsaußen Markus Richwien, dem nach torloser erster Halbzeit noch vier Tore gelangen.

Dass die Stimmung unter den 4112 Zuschauern in der Halle nicht gleich von Anfang an so gut war, hatten sich die Handballer aber selbst zuzuschreiben. Zur Halbzeit hatte sich das Team bereitwillig in ein 13:18 gefügt, und es bedurfte eines Appells an die Ehre der Spieler, um sie aufzurütteln. „Ich habe ihnen gesagt, dass keiner sie gezwungen hat, das Füchse-Trikot zu tragen. Sie wollten es selbst, also sollen sie ordentlich Handball spielen“, erzählt Trainer Jörn-Uwe Lommel. Bis dahin lief nichts nach seinem Plan, „wir erstarrten wie das Kaninchen vor der Schlange“.

Das aus dieser für einen Aufsteiger nicht untypischen Haltung letztlich noch ein Erfolgserlebnis wurde, spricht für die Klasse, die in Lommels Team steckt. Mit dem einen Punkt, zu dem durchaus in der Schlussphase noch ein zweiter hätte kommen können, sind die Füchse Berlin endgültig in der Ersten Liga angekommen. Sicherlich mit dem Zusatzeffekt, dass kein Team diese Mannschaft mehr unterschätzen wird. Schon gar nicht bei Spielen in Berlin. Hartmut Moheit

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