Sport : Angenehm aufdringlich

Chance um Chance vergaben die Eisbären zum Play-off-Auftakt gegen Augsburg – bis der große Augenblick des Denis Pederson kam

Claus Vetter

Berlin - Denis Pederson schüttelte mit dem Kopf. „Mein Tor? Wichtig für mich?“ Nein, sagte der große Mann mit einem netten Lächeln. „Das war ein Beitrag zum wichtigen Sieg des Teams.“ Bescheiden wirkt er meist, der kanadische Stürmer in Diensten der Berliner Eisbären. Abseits der Eisfläche. Auf dem Eis kann Pederson schon mal sehr aufdringlich werden.

Etwa so, wie am Freitag im Sportforum Hohenschönhausen. 55 Minuten waren beim ersten Play-off-Spiel der Eisbären gegen die Augsburger Panther vorbei, als Pederson „dorthin ging, wo es wehtut“, wie sein Trainer Pierre Pagé später sagte: „Nämlich genau vors gegnerische Tor.“ Er war da, wo die Eisbären ihn brauchten, sagte Pagé. Pedersons Präsenz vor dem Tor der Augsburger bescherte den Berlinern schließlich den entscheidenden Treffer zum 3:2. Der Start in die Viertelfinalserie war geglückt.

Pedersons Tor in einer von den Berlinern von der ersten bis zur letzten Minute dominierten Partie demonstrierte die Entschlossenheit, mit der die Berliner den Außenseiter aus Augsburg schließlich niederrangen. Sie hätten nach dem glücklichen 1:0 der Panther aus der Anfangsphase oder nach dem schmeichelhaften Treffer zum 2:2 – wie der erste von Brian Felsner erzielt – zittern können. Schließlich vergaben sie Chance um Chance.

Doch sie wurden nicht nervös. Pederson wusste warum: „Weil wir immer an den Sieg geglaubt haben.“ Das Augsburger Tor, das acht Minuten vor dem Ende das 2:2 bedeutete, habe er versucht, nicht ernst zu nehmen, sagte der 29-Jährige. „Das war ein abgefälschter Schuss, unser Torwart konnte daran nichts machen.“ Vielleicht auch, weil Olaf Kölzig zuvor weitgehend beschäftigungslos war? „Mir ist lieber, unser Torwart ist kalt und nicht warm.“ Pederson lächelte noch einmal.

Kölzig hatte so wenig zu tun, weil die Eisbären Entschlossenheit demonstrierten. So wie das Pederson in seiner langen Karriere häufig gemacht hat. Acht Jahre lang hat er ohne Unterbrechung in der National Hockey League (NHL) gespielt, in New Jersey und Vancouver, in Phoenix und Nashville. Dennoch fiel Pederson der Wechsel zu den Eisbären vor eineinhalb Jahren nicht besonders schwer. „In der NHL waren meine Möglichkeiten begrenzt. Ich habe meist nur in der dritten oder vierten Reihe gespielt, und da ist man nicht fürs Toreschießen zuständig, sondern nur fürs Toreverhindern. Ich wollte endlich auch einmal kreativ sein und Tore schießen.“ Das klappte in seiner ersten Saison bei den Eisbären gut – bis die Play-offs kamen. Da hat er im vergangenen Jahr selten so einen großen Auftritt gehabt wie am Freitag. Auch wenn er den natürlich nicht überbewerten möchte. „Augsburg ist im ersten Spiel sehr selbstbewusst aufgetreten, die werden am Sonntag im eigenen Stadion noch selbstbewusster sein.“

Natürlich werden die Panther heute im Augsburger Curt-Frenzel-Stadion versuchen, die Eisbären zu irritieren. Wenn sie aber auf so einen dynamisch entschlossenen Gegner treffen wie am Freitag, dann sollten die Berliner durchaus in der Lage sein, den zweiten von vier nötigen Siegen zum Erreichen des Halbfinales um die deutsche Eishockey-Meisterschaft zu erkämpfen. Am Einsatz und Engagement von Denis Pederson wird es wohl nicht scheitern.

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