Sport : Angenehme Atmosphäre, unangenehmer Start

Der 1. FC Union verliert gegen Mainz 05 mit 0:2, Trainer Georgi Wassilew nimmt alle Schuld auf sich

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Von Claus Vetter

Berlin. Vor dem Anpfiff hatten die Fans des 1. FC Union noch Humor. Mit zu Winkelementen umfunktionierten Taschentüchern wurde beim Saisonauftakt der Zweiten Fußball-Bundesliga der FSV Mainz 05 im Stadion an der Alten Försterei begrüßt. Der Scherz der Fans war eine Anspielung darauf, dass Union den Mainzern am letzten Spieltag der vergangenen Spielzeit mit einem 3:1 den Aufstieg verdorben hatte. Das war vor 98 Tagen. Gestern wurde die gute Laune der Fans in Köpenick arg getrübt. Jubeln durften da nur die Mainzer, Union unterlag 0:2 (0:1).

Taschentücher wurden auf Seiten der Berliner trotzdem nicht benötigt. Heiner Bertram stand kurz nach Spielschluss auf dem Rasen und lächelte. Der Präsident von Union hatte „einen verdienten Sieger“ gesehen und das in „angenehmer Atmosphäre". Derweil sah sich trotzdem mancher Union-Fan genötigt, den Mainzer Spielern noch auf dem Gang in die Kabine mitzuteilen, dass er eher wenig von ihnen hält. Im Vorfeld war auf beiden Seiten so einiges um angebliche Aussagen des Mainzer Trainers Jürgen Klopp veranstaltet worden. Schließlich wollte Klopp nichts davon wissen, dass er die Berliner jemals als „Kloppertruppe“ diffamiert habe.

Mit derlei Problemen sollte sich Union nicht mehr allzu lange aufhalten, eine intensive Beschäftigung mit dem jüngsten sportlichen Auftritt erscheint eher ratsam. Was Union gegen Mainz vor 8461 Zuschauern bot, passte zu den beiden letzten Testspielen gegen Energie Cottbus und Hansa Rostock, die die Berliner jeweils 0:3 verloren hatten. Da half es kaum, dass Georgi Wassilew die Schuld für die verpatzte Premiere auf sich nahm. „Ich konnte die Mannschaft nicht richtig motivieren“, sagte der Trainer. Dass der Bulgare später versuchte, diese wie eine Kapitulation anmutende Aussage mit eine Floskel zu entkräften, half wenig. „Wenn eine Mannschaft verliert, trägt der Trainer immer die Hauptschuld“, sagte Wassilew.

Bis auf eine kurze Phase in der zweiten Hälfte wurden bei Union die Bälle planlos nach vorn geschlagen, im Strafraum des Gegners wurden die Berliner selten gesichtet. Zwar endeten auch die Mainzer Kombinationen oft am gegnerischen Strafraum, doch als Mainz einmal dort auftauchte, wurde es brisant: Tom Persich hatte den Mainzer Jürgen Kramny im Berliner Strafraum bedrängt (36.), Schiedsrichter Hartmut Strampe entschied auf Elfmeter. Eine strittige Situation, für Persich aber unstrittig: „Das war doch ein ganz normales Kopfballduell." Andrej Woronin verwandelte den Strafstoß. Dass sich Woronin nach dem Tor mit einer provozierenden Geste an die Union-Fans wandte, war indes weniger sehenswert. Es sollte nicht der letzte Auftritt des Mainzer Stürmers gewesen sein. In der 76. Minute sorgte er nach einer Flanke von Marco Rose für die Entscheidung. Zwischen den beiden Treffern hatte Union auch mal Pech: Salif Keita scheiterte an Dimo Wache. Der Mainzer Torwart hatte Keitas Kopfball mühsam an die Unterkante der Latte gelenkt (71.). Überhaupt machte der vor zehn Tagen von Hannover 96 zu Union gewechselte Stürmer eine gute Figur. Keita war nach der Pause für den glücklosen Divic gekommen. Neben Keita gab es mit Steffen Baumgart, der eine halbe Stunde vor Schluss für Balcarek eingewechselt wurde, noch einen zweiten Debütanten bei Union. Er hinterließ keinen bleibenden Eindruck.

Jürgen Klopp, der Mainzer Trainer, warf hinterher mit Freundlichkeiten nur so um sich. „Dass wir hier nicht mit offenen Armen empfangen werden, war klar“, sagte Klopp. „Aber ich bin selbst Fußballfan und finde so eine Stimmung absolut geil.“ Dann gab es noch nette Worte für Union. „Ich bin überzeugt, dass die Berliner diese Saison die Rolle spielen können, die sie spielen wollen.“ Welche Rolle? Mit Sicherheit nicht die, die Union zum Auftakt gegen Mainz 05 gespielt hat.

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