Sport : Angenehme Impulse

Demirels Comeback überrascht Albas Trainer

Benedikt Voigt

Berlin – Das Schlimmste, sagt Mithat Demirel, was bei einem Auswärtsspiel passieren kann, ist eine Niederlage. „Dann liegt man im Hotelzimmer bis um drei Uhr wach und starrt Löcher in die Decke“, erzählt der Basketballprofi von Alba Berlin. Acht Auswärtsniederlagen hat sein Team in der Bundesliga in dieser Saison bereits hinnehmen müssen. Zwar kann Demirel auch nach einem Sieg lange Zeit nicht einschlafen. „Aber das Gefühl ist angenehmer.“

So gesehen ist Mithat Demirel in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch mit einem sehr guten Gefühl eingeschlafen. Zum einen, weil Alba Berlin das zweite Play-off-Spiel im Viertelfinale gegen EnBW Ludwigsburg 88:80 gewonnen hat und in der Serie nach dem Modus „Best of five“ mit 2:0 führt. Bereits am Samstag (19.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle) kann Alba in das Halbfinale einziehen. Zum anderen, weil Mithat Demirel erstmals seit dem 5. Februar wieder gespielt hat. So gut sogar, dass Trainer Henrik Rödl sagt: „Ich bin sehr überrascht, dass er so viele Impulse setzen konnte.“ In zwölf Spielminuten erzielte der Aufbauspieler zehn Punkte, darunter zwei Dreier. „Er war ausschlaggebend dafür, dass wir in der ersten Halbzeit den Anschluss halten konnten“, sagt Rödl.

Wie schon im Heimspiel gegen Ludwigsburg (98:80) entschied Alba in der Schlussphase das Spiel für sich. Erneut zeigte sich, dass die Berliner die besseren Ersatzspieler besitzen. „Ludwigsburg hat zwar ebenfalls eine gute Ersatzbank, aber das kam bisher noch nicht zum Tragen“, sagt Rödl. Alba hingegen konnte sich am Dienstagabend auf Demirel und Tanel Tein verlassen. Der Este erzielte in der Schlussphase sieben Punkte.

Ludwigsburg haderte mit dem Schiedsrichtergespann, das einige umstrittene Entscheidungen traf, darunter ein unsportliches Foul gegen Andrius Giedraitis. Ludwigsburgs Vorsitzender Alexander Reil sprach sogar von einer „Schweinerei“ und kündigte einen Protestbrief an die Ligaleitung an. Demirel wundert sich über die Aufregung. „So etwas gleicht sich in einem Spiel immer aus.“ Die Beschwerden nennt er „eine schlechte Art“.

Eine Schambein-Entzündung und eine Operation hatten Mithat Demirel fast vier Monate vom Spielfeld ferngehalten. Seit der EM 2003 hat er Rückenprobleme, die auf andere Körperteile ausstrahlten. Nun sagt Demirel: „So gut wie jetzt habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt.“ Für Rödl kommt das Comeback des neben Stefano Garris zweiten deutschen Nationalspielers von Alba gelegen. „Wenn er diese Leistung immer abrufen kann, ist er sehr wichtig für die Play-offs.“

Demirel kennt die wichtigste Phase des Jahres, vor zwei Jahren hat er Alba zu Pokalsieg und Meisterschaft geführt. Alba belohnte ihn mit einem Zweijahresvertrag, seitdem aber hat er verletzungsbedingt nicht mehr an diese Leistungen anknüpfen können. Nun spielt er um einen neuen Vertrag und die Rückkehr ins Nationalteam. Unter Bundestrainer Dirk Bauermann hat er bisher noch nicht gespielt, neben Pascal Roller und Steffen Hamann wäre er dessen dritter Spielmacher. „Wir stehen in Kontakt“, sagt Demirel, „wenn ich gesund bin, möchte ich spielen.“ Vielleicht bekommt er bereits in den aktuellen Play-offs die Chance, Bauermann zu überzeugen. Im direkten Duell mit dessen Vereinsteam GHP Bamberg. Das wäre dann im Finale.

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