Sport : Angriff auf den Linienrichter

Beim Stand von 2:0 für Hertha wird das Pokalspiel in Stuttgart abgebrochen

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Das Spiel war schneller vorbei, als beiden Mannschaften lieb sein konnte. In der 85. Minute brach Schiedsrichter Michael Weiner die Begegnung zwischen den Stuttgarter Kickers und Hertha BSC in der zweiten Runde des DFB-Pokals ab. Minutenlang hatte sein Assistent Kai Voss zuvor an der Seitenlinie gelegen, nachdem er von Wurfgegenständen getroffen worden war. „Nicht nur schade, sondern oberpeinlich“, nannte der Stadionsprecher das. Als Stuttgarts Trainer Robin Dutt die Fans der Kickers noch zu beruhigen versuchte, tauschten die Spieler bereits ihre Trikots. Der Regionalligist lag zu diesem Zeitpunkt 0:2 zurück. Über die Wertung des Spiels wird nun das Sportgericht des Deutschen Fußball- Bundes entscheiden müssen, allerdings spricht vieles dafür, dass Hertha zum Sieger ernannt wird. „Es war eine eindeutige Angelegenheit, weil das Wurfgeschoss von der Kickers-Tribüne kam“, sagte Weiner. Die Stuttgarter müssen mit einer empfindlichen Strafe rechnen.

„Das habe ich in zehn Jahren Profifußball noch nicht erlebt“, sagte Herthas Mittelfeldspieler Pal Dardai. Linienrichter Voss hatte in der 80. Minute einen Getränkebecher in den Nacken bekommen und war kurzzeitig sogar bewusstlos. Nach fünfminütiger Behandlung brach Schiedsrichter Weiner das Spiel ab. „Das ist eine Katastrophe für uns“, sagte Stuttgarts Trainer Dutt.

Das Spiel hatten beide Mannschaften offensiv begonnen, so wie es die Trainer angekündigt hatten, ohne sich jedoch allzu viele Chancen zu erspielen. Die Berliner hatten dennoch mehr vom Spiel, doch die Angriffsbemühungen, die Yildiray Bastürk, Kevin-Prince Boateng und Marko Pantelic einleiteten, endeten meist, wenn der Ball auf der rechten Seite auf Ellery Cairo oder in die Spitze auf Solomon Okoronkwo gespielt wurde. Hertha BSC musste auf drei Stammspieler verzichten, das merkte man sogar gegen den Tabellenvierten der Regionalliga Süd zu erkennen.

Die erste große Chance hatten die Berliner folgerichtig, als das erste Mal über rechts nicht Cairo, sondern Sofian Chahed in die Mitte flankte und Pantelic per Kopf aus vier Meter über das Tor köpfte. Da waren bereits 34 Minuten gespielt, und Hertha wurde stärker. Bis zur Pause machten die Berliner noch einmal Druck und hatten durch Pantelic, Simunic und Bastürk noch drei gute Gelegenheiten.

Die größte Gelegenheit der Berliner vereitelte Stuttgarts Moritz Steinle, der in der 43. Minute Pantelic 20 Meter vor dem Tor von den Beinen holte. Schiedsrichter Michael Weiner zeigte, wohl zu Unrecht, Rot und durfte fortan den Unmut der Stuttgarter Fans zu spüren. Der Schiedsrichter zeigte sich beeindruckt, ob der hitzig werdenden Atmosphäre. Er pfiff überpünktlich zur Pause.

Hertha war auf die Stimmung im mit 10 500 Zuschauern ausverkauften Stadion vorbereitet. „Wir werden einen heißen Tanz erleben“, hatte Manager Dieter Hoeneß vor dem Spiel gesagt. Die zweite Halbzeit begann wieder hektisch. Zunächst schienen die Berliner das Spiel besser in den Griff zu bekommen. Cairo flankte präziser, Hertha bekam Chancen, sodass es nicht mehr verwunderte, als Solomon Okoronkwo einen abgefälschten Ball zum 1:0 abstaubte. Gerade als Hertha das Spiel hätte beruhigen sollen, war es wieder Cairo, der den Rhythmus störte. Nach einer Tätlichkeit gegen den eingewechselten Tobias Schlabach flog der 28-Jährige in der 62. Minute vom Platz.

Ruhe kehrte erst wieder ein, als Recep Yildiz, der in der ersten Runde gegen den Hamburger SV beim 4:3 noch mit zwei Toren der Pokalheld war, einen Handelfmeter verschuldete. Bastürk klärte mit seinem ersten Tor in dieser Saison die nur kurzzeitig ins Wanken geratenen Verhältnisse. Das Spiel war entschieden, doch die Stuttgarter Fans bereiteten ihm noch ein frühes und unschönes Ende.

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