Sport : Angriff auf die Favoriten

Konkurrenz für Friedrichshafen und SCC

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Berlin Auf Ben Ibata wirkt manches Bundesligaspiel recht einschläfernd. „Wenn sich ein Gegner nicht wehrt, dann pennst du irgendwann ein“, stellte er fest. Dem TSV Unterhaching, bei dem der Volleyballer Ben Ibata spielt, kommt es in dieser Saison bislang häufiger so vor, als sei die Gegenseite nicht sonderlich wehrhaft. Mit 12:0 Punkten sind die Unterhachinger gestartet, haben sich als Zweiter der Tabelle genau zwischen dem VfB Friedrichshafen und dem SC Charlottenburg platziert, die seit Jahren unter sich den Deutschen Meister ausmachen. Dicht dahinter folgt Evivo Düren, ein Team, das unlängst bei der 2:3-Auswärtsniederlage den SCC ins Wanken brachte und dessen Trainer Bernd Werscheck furchtlos verkündet: „Wir wollen am Saisonende vor dem SCC stehen.“ Dieser SCC ist immerhin der Titelverteidiger.

TSV Unterhaching und Evivo Düren – sind diese Mannschaften stark genug, in den Dauer-Wettstreit zwischen Friedrichshafen und Charlottenburg einzugreifen und für neue Spannung in der Liga zu sorgen? „Wir haben aufgeholt“, sagt Dürens Zuspieler Ilja Wiederschein. Trainer Werscheck schränkt das etwas ein. „Der SCC hat sicherlich die bessere Mannschaft“ – und dann kommt der Zusatz: „Vom Papier her jedenfalls.“

Erste kleine Zeichen der Veränderung hat auch der SCC bemerkt. „Es ist ja nicht so, dass in Deutschland nur Friedrichshafen und wir Volleyball spielen können“, sagt Manager Kaweh Niroomand. Er ist sich bewusst, dass etwa Düren zum Saisonende hin auch mal zum Matchball gegen den SCC aufschlagen könnte: „Die sind sehr heimstark. Wenn die in den Play-offs im Halbfinale zu Hause das erste Spiel gewinnen, dann kann das bei dem Modus recht eng werden.“ Gespielt wird da in einer Serie „Best of three“.

Dass Mannschaften wie Düren und Unterhaching den arrivierten Klubs im Nacken sitzen, hängt keineswegs mit einem plötzlichen Geldsegen zusammen. „Wir haben mittelfristig geplant und auf junge Leute wie Lieber, Elsner und Dünnes gesetzt“, sagt Bernd Werscheck. Ein Konzept, das nach Ansicht des Dürener Trainers nicht allzu viel Risiko barg: „Alle reden davon, was wir für eine erfolgreiche Juniorennationalmannschaft haben. Da macht es doch keinen Sinn, sich immer nur mittelprächtige Ausländer zu holen.“

Beim TSV Unterhaching schrumpfte sogar der Etat: von 300 000 auf 250 000 Euro. Dennoch kehrte Michael Mayer, Diagonalangreifer und Nationalspieler, zurück. Viel Geld war dazu nicht nötig. Nach seinem Gastspiel bei Noliko Maaseik in Belgien will der 24-Jährige jetzt in München ein Studium beginnen. Mit ihm sind die Unterhachinger, anfangs zu den Abstiegskandidaten gezählt, deutlich stärker als im Vorjahr. Allerdings standen ihnen bisher nur vermeintlich schwache Gegner gegenüber. Heute (15 Uhr, Sömmeringhalle) bekommt die Mannschaft im Spiel beim SC Charlottenburg erste Orientierungshilfe, ob sie längerfristig in der Spitze mitmischen kann.

Beim SCC ist man über die wachsende Stärke der Konkurrenz gar nicht mal böse. „Es kann doch nur gut sein, wenn unsere Mannschaft ein bisschen mehr gefordert wird“, sagt Kaweh Niroomand. Und auch die Schlafmützigkeit, vor der Unterhachings Ben Ibata gewarnt hat, stellt sich dann garantiert nicht ein.

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