Sport : Angriff aufs Lebenswerk

Gegen Lance Armstrong wird wegen Dopings ermittelt – ihm droht die Aberkennung aller Titel.

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Hand aufs Herz. Lance Armstrong antwortete wie gewohnt auf die neuen Vorwürfe: „Ich habe nie gedopt.“ Foto: Reuters
Hand aufs Herz. Lance Armstrong antwortete wie gewohnt auf die neuen Vorwürfe: „Ich habe nie gedopt.“ Foto: ReutersFoto: REUTERS

Berlin – Man kann der Meinung sein, es ist viel zu spät. Eigentlich kommt die Nachricht aber vierzehn Tage zu früh. Die Tour de France beginnt in zwei Wochen, und Meldungen über Doping-Ermittlungen auch gegen ehemalige Profis erregen mehr Aufmerksamkeit, wenn der Start der Frankreich-Rundfahrt unmittelbar bevorsteht. So halten es zumindest die Anti-Doping-Agenturen in Europa und setzen ihr Thema zuverlässig in diesen Tagen. In den USA scheint man es anders zu machen, die Nationale Anti-Doping-Agentur Usada ermittelt nun wegen Dopings gegen, wen wohl, den siebenmaligen Tour-Sieger Lance Armstrong. Seine historischen Erfolge könnten ihm aberkannt werden.

Die Usada ermittelt gegen den 40 Jahre alten und vor einem Jahr endgültig zurückgetretenen ehemaligen Radprofi, weil Dopingproben von ihm aus den Jahren 2009 und 2010 „vollkommen mit Proben übereinstimmen, an denen Blutmanipulation, inklusive Epo und/oder Blut-Transfusionen vorgenommen wurden“. Zudem wird ihm in der 15 Seiten umfassenden Anklageschrift die Einnahme von Testosteron, Corticosteroiden, Wachstumshormonen und maskierenden Mitteln auch in den Jahren zuvor vorgeworfen. Beschuldigt werden auch fünf weitere Personen, unter ihnen der Radsportmanager Johan Buyneel. Armstrong bestreitet die Vorwürfe vehement, in einem Statement auf seiner Homepage weist er darauf hin, dass in seiner Karriere mehr als 500 Dopingtests immer negativ gewesen seien, er bezeichnet die erneuten Ermittlungen gegen ihn als „Hexenjagd“ und „Vendetta“.

Die Institutionen wollten Rache, weil im Februar nach zwei Jahren die strafrechtlichen Ermittlungen wegen des Verdachts auf Betrug und den Missbrauch von Steuergeldern bei Armstrongs ehemaligem Team U.S. Postal ohne Anklage eingestellt wurden. Wegen der neuen Ermittlungen, die auf Ergebnissen der Staatsanwaltschaft fußen, darf Armstrong nicht wie von ihm geplant am Triathlon in Nizza teilnehmen, die ihm drohende lebenslange Sperre hätte Auswirkungen auf Armstrongs aktuelles Sportlerdasein.

Viel schwerwiegender wäre aber die Streichung seiner Titel, von der auch, wer wohl, Jan Ullrich profitieren könnte. Dreimal (2000, 2001 und 2003) ist Ullrich hinter dem Texaner Zweiter bei der Tour geworden. Der ebenfalls längst zurückgetrtene Ullrich war im Februar vom Internationalen Sportgerichtshof Cas wegen seiner Verwicklung in die spanische Dopingaffäre um den Arzt Eufemiano Fuentes bis August 2013 gesperrt worden. Zu den Vorwürfen gegen Armstrong wollte er keine Stellungnahme abgeben.

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