Sport : Angriff der Nasenbären

Die Formel 1 beginnt mit den Testfahrten.

Karin Sturm

Jerez - Die Spötter in der Formel 1 haben sich schon am ersten Testtag neue Spitznamen ausgedacht. Von „Nasenbären“ und „Schnabeltieren“ war die Rede, als am Dienstag die neuen Rennwagen des Jahrgangs 2012 im spanischen Jerez zum ersten Mal auf die Strecke gingen, die erste Bestzeit fuhr der frühere Weltmeister Kimi Räikkönen bei seinem Comeback im Lotus. Die Jagd auf Weltmeister Sebastian Vettel ist also eröffnet – mit den nach Ansicht vieler Experten hässlichsten Formel-1-Autos, die es je gab.

Eine neue Regel schreibt vor, dass die Frontpartie der Autos – aus Sicherheitsgründen – ab einem bestimmten Punkt nur noch eine Höhe von 55 Zentimetern aufweisen darf. Das führt zu einer deutlich flacheren Nase, und selbst die Designer der Autos finden ihre Schöpfungen 2012 meist „nicht besonders schön“, wie Adrian Newey, das Superhirn hinter den Erfolgen von Red Bull und Sebastian Vettel, zugibt. „Aber wenn das Reglement uns quasi dazu zwingt, was soll man dann machen?“, fragt Newey. „Am Ende muss die Funktionalität und der Speed vor der Schönheit kommen.“

Der Weltmeister fehlte am ersten Tag noch: Vettel steigt erst am Donnerstag in sein neues Dienstauto und arbeitet bis dahin noch zu Hause in der Schweiz an seiner Fitness. Der Heppenheimer erwartet in dieser Saison einen härteren Titelkampf als 2011– auch wegen der Regeländerungen. Das Anblasen des Diffusors im Heck mit Auspuffgasen ist jetzt verboten, die Teams suchen nun nach Lösungen, um einen Ausgleich zu finden. „Das macht es natürlich gerade für die ein bisschen einfacher, die vielleicht damit ein bisschen Schwierigkeiten hatten“, hatte Vettel erklärt. „Ich glaube deshalb, dass das ganze Feld ein bisschen näher zusammen rücken wird.“

Bis jetzt hat sich Vettels Weltmeisterteam ziemlich rar gemacht: Am Montag gab es nur eine Minipräsentation des Autos mit einem 90-Sekunden-Filmchen im Internet. Am Dienstag war Vettels Teamkollege Mark Webber dann auch der letzte Fahrer, der auf die Strecke ging. Allerdings sagen die Zeiten der ersten Testtage meist sowieso so gut wie nichts aus.

Mercedes fährt in Jerez sogar noch mit dem 2011er-Auto, das neue Modell wird erst am 21. Februar vorgestellt. Offiziell will man mehr Entwicklungszeit haben. Es wird aber vermutet, dass es an dem neuen Silberpfeil einige Lösungen des Auspuff- und Anblasthemas im Grenzbereich geben wird, die die Konkurrenz und auch der Weltverband Fia erst so spät wie möglich zu Gesicht bekommen sollen. „Natürlich kann es immer wieder Lösungen geben, bei denen dann über die Interpretation der Regeln diskutiert werden kann“, sagte Adrian Newey. Auch in der Saison der Schnabeltiere wird die Formel 1 also nicht ohne Tricksereien und Streit auskommen. Karin Sturm

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