Angriff in Farbe : Schalke will Blau-Weiße in Königspink schlagen

Schalke spielt im heutigen DFB-Pokalfinale in der Trikotfarbe "Ultrabeauty". Und den MSV erwartet auch bei einer Niederlage ein großer Empfang – im Ruhrgebiet drehen die Fans vorm Finale auf.

Ron Ulrich
Ein Traum in Pink. Mit grellen Trikots läuft Schalke heute auf, den Fans läuft’s kalt den Rücken runter. Foto: firo Sportphoto
Ein Traum in Pink. Mit grellen Trikots läuft Schalke heute auf, den Fans läuft’s kalt den Rücken runter.Foto: firo Sportphoto

Normalerweise tragen die Fans eines Fußballklubs die Namen von Spielern auf der Rückseite ihres Trikots. Vor dem Finale werden in Duisburg aber die Prioritäten anders gesetzt. Ein MSV-Fan hat sich auf das Trikot beflocken lassen: „S04-Insolvenzverwalter“ – in Anlehnung an die finanziellen Einbußen des Gegners Schalke 04 bei einer Niederlage. In Duisburg spricht man nur von der „Stadt aus Gelsenkirchen“. Während sich die Anhänger des FC Schalke gar auf das Treffen mit dem Nachbarn in der Hauptstadt freuen, ist die Abneigung in Duisburg für den Rivalen augenscheinlich. Beim letzten öffentlichen Training wurde ein Banner entrollt mit der Aufschrift: „Gib Schlacke keine Chance!“

MSV-Fan Torsten Woywood fuhr für einen guten Zweck mit dem Fahrrad von Duisburg nach Berlin, Tausende andere Duisburger Fans machten sich im Sonderzug auf den Weg und fanden sich abends zu einem sogenannten „Flashmob“ am Pariser Platz zusammen. Heute treffen sich die MSV-Fans um 16 Uhr am Bahnhof Charlottenburg und wollen von dort aus zum Stadion laufen.

Am Sonntag werden die MSV-Fans in Duisburg ihr Team mit einem Autokorso feiern – egal wie das Finale ausgeht. „Für uns geht es auch darum, wieder positive Schlagzeilen für die Stadt Duisburg zu schreiben“, sagt MSV-Spieler Ivica Grlic, der sich als „Standby-Profi“ und designierter Teammanager auch um die organisatorischen Belange kümmert.

Worauf Grlic anspielt, ist die Tragödie im vergangenen Jahr bei der Loveparade in Duisburg, die auch vor dem Pokalfinale zum Thema wurde. Nicht nur, weil der heftig kritisierte Oberbürgermeister Adolf Sauerland nach Berlin reist, sondern auch aufgrund einiger Entscheidungen des Stadtrats: Die Duisburger Profis sollen sich ins Goldene Buch der Stadt eintragen, werden aber nicht im Rathaus empfangen. Zudem soll ihr Zug bei der Ankunft am Sonntag nicht in Duisburg, sondern in Oberhausen halten; von dort sollen die Spieler mit Bussen über die Landstraße zur MSV-Arena gebracht werden. Als Gründe wurden für beide Vorhaben die Sicherheitsbedenken in Folge der Loveparade-Katastrophe angeführt. In der Duisburger Mannschaft rief die Entscheidung Kopfschütteln hervor, sagen wollte aber niemand etwas dazu.

In Gelsenkirchen soll es gar keinen offiziellen Empfang für die Mannschaft geben. „Wir wären gerne bereit gewesen, einen sehr hohen Betrag für die Sicherheitsanforderungen in die Hand zu nehmen“, sagte Schalkes Veranstaltungsleiter Volker Fürderer. „Aber das muss in einem vernünftigen Verhältnis stehen.“ Neben dem ausgefallenen Empfang stören sich die Schalker Anhänger besonders an der Trikotfarbe des Teams im Finale, die der Verein selbst als „Ultrabeauty“ deklariert, was für den weniger modeaffinen Betrachter schlicht Pink ist. Im Fanmagazin „Schalke Unser“ war auf einer ganzen Seite zu lesen: „Vereinssatzung: §1 Die Vereinsfarben sind blau und weiß. § 2 Das gilt auch fürs Pokalfinale.“

Genaue Informationen über den Gemütszustand der Schalker Fans bietet ein Projekt auf Twitter, bei dem zwölf Schalker Fans von sämtlichen Orten in Deutschland ihre Erlebnisse rund ums Pokalfinale auf einem Kanal twittern. Schalke-Fans schildern ihre Suche nach Eintrittskarten, ihre Erlebnisse beim Spiel unter MSV-Fans und bei den Feiern in Berlin.

Und dann ist da noch der Schalke-Fan, der an diesem Pokalwochenende mehr zu verlieren hat als ein Finale, nämlich eine kuriose Wette. Andreas Linke will sich bei einer Niederlage des S04 tätowieren lassen – von einem Affen. So verrückt die Idee klingt, durch Linkes Veröffentlichungen im Internet kann er sich wohl im Fall der Fälle nicht mehr herausreden. In seinem Blog „web04.de“ schreibt er: „Ich bin fast fest davon überzeugt, dass mich mein Team nicht im Stich lassen wird. Es wird den Pott holen. Doch falls nicht, nehme ich schon mal (affenkompatible) Motivvorschläge an.“

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