Sport : Angriff in Tarnfarbe

Der SSC Neapel startet mit Camouflage, Stars und Ambitionen in die Saison.

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Kampfkluft. Neuzugang Gonzalo Higuain zeigt Napolis neues Trikot. Foto: dpa
Kampfkluft. Neuzugang Gonzalo Higuain zeigt Napolis neues Trikot. Foto: dpa

Berlin - Der SSC Neapel rüstet auf in der neuen Saison: Das Auswärtstrikot ist im grün gefleckten Camouflage-Design des Militärs gehalten. „Das ist unsere Kriegskleidung“, sagte Napolis Präsident Aurelio de Laurentiis martialisch. Der Filmproduzent wartet gewöhnlich mit süßlichen Weihnachtsfilmen auf, besitzt aber auch die Vertriebsrechte an Hollywood-Schockern wie Ridley Scotts „Hannibal“. Das neue Kriegsfilmkostüm seiner Fußballer handelte ihm umgehend Kritik vom echten Militär ein. Mauro Del Vecchio, ein Ex-General mit Afghanistan-Erfahrung, sagte: „Die Tarnfarbenuniform ist etwas beinahe Spirituelles. Die Welt des Militärs ist von Prinzipien gekennzeichnet, die sich sehr schlecht mit der Welt des Fußballs verbinden lassen.“

Einige Ultra-Gruppen, die sich selbst als Kampfeinheit verstehen, dürften das anders sehen. Die Wahl des Trikots hat eine kleine Sommerkontroverse in Italien ausgelöst. Sie wird von Kritikern als Legitimierung von Gewalt durch Hooligans durch die Vereinsführung ausgelegt. Der Klub verweist auf den „symbolischen Gehalt“ der Aussagen von de Laurentiis.

Das Tarnfarbentrikot ist aber nur das deutlichste Zeichen für einen Mentalitätswechsel beim letztjährigen Vizemeister, der am Sonntag gegen Bologna in die Saison startet. Die Zeiten, in denen die Ziele lauteten, gut zu spielen, die Großen der Branche etwas zu ärgern und den Hexenkessel des Stadion San Paolo füllen zu wollen, sind endgültig vorbei. Als Trainer kam der Spanier Rafael Benitez, der zuletzt mit dem FC Chelsea die Europa League gewonnen hatte. Die Ablösesumme von Torjäger Edinson Cavani, der für 64 Millionen Euro nach Paris wechselte, wurde in eine bemerkenswerte Aufrüstung des Kaders investiert. Von Real Madrid kam mit dem Argentinier Gonzalo Higuain für 40 Millionen Euro sowie den Spaniern José Callejon (10 Millionen) und Raul Albiol (12 Millionen) ein Trio. Hinzu kommen Außenstürmer Dries Mertens für 9,5 Millionen aus Eindhoven und per Leihgeschäft Liverpools Torwart Pepe Reina. Damit hat de Laurentiis seinem neuen Trainer nicht nur eine starke spanischsprachige Fraktion beschert, sondern auch Kicker mit Ambitionen. „Wir sind hier, um den Titel zu gewinnen. Wie viele Tore ich da erziele, ist zweitrangig“, kündigte Neuzugang Higuain an. Auch der Trainer gab den Titel als Ziel aus.

Benitez hat trotz des Champions-League-Sieges 2005 mit Liverpool keinen guten Ruf in Italien. Bei Inter Mailand war er vor drei Jahren als Nachfolger José Mourinhos gescheitert. Der 53-Jährige veredelte das von Mourinho gewonnene Triple zwar noch mit dem Weltpokal, wurde aber einen Tag vor Weihnachten 2010 entlassen. Und wie es das wechselhafte Trainergschäft so will, beerbte Mourinho nicht nur Benitez bei Chelsea. Der bisherige Erfolgscoach des SSC Napoli, Walter Mazzarri, wechselte im Sommer ausgerechnet zu Inter. Benitez möchte aus Napoli nun mehr herausholen als Mazzarri zuvor im Schatten des Vesuv und auch mehr, als Mazzarri jetzt mit den Mailändern zu erreichen vermag.

Ob all dies ausreicht, um Meister Juventus Turin vom dritten Titel in Serie abzuhalten, ist fraglich. Juventus verpflichtete ebenfalls prominente Stürmer: den Argentinier Carlos Tevez von Manchester City und den spanischen Nationalstürmer Fernando Llorente von Athletic Bilbao. Nach Jahren der Dauerkrise wechseln mittlerweile wieder Stars in die Serie A. Selbst der Vorjahresvierte AC Florenz gönnte sich Mario Gomez von Bayern München.

Die erwartete Dominanz von Juventus könnte aber allenfalls dadurch verhindert werden, dass sich der Rekordmeister zu stark auf die Champions League konzentriert. Dann hätten auch Herausforderer wie Neapel Chancen. Erstmals immerhin ist der erklärte Wille da, nicht nur irgendwie um den Titel kämpfen, sondern ihn auch wirklich erringen zu wollen – egal, ob im Kriegstrikot oder im klassischen Himmelblau.Tom Mustroph

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