Angriff mit Eitelkeiten : Marko Pantelic meckert – und trifft für Hertha

Wenn sich Marko Pantelic eines unterstellen lässt, dann dass der Profifußballer ein gutes Gefühl für Timing hat. Auf dem Platz sowieso, da schießt er für Hertha BSC seit Jahren mehr Tore als alle anderen.

Claus Vetter

Berlin - Gestern erzielte er beim 3:0-Erfolg gegen Hannover den Führungstreffer für die Berliner. Aber auch abseits des Rasens hatte Pantelic seinen großen Auftritt: In einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit der „Sport-Bild“ hat er über seine Situation in Berlin geklagt. Trainer Lucien Favre sei nicht unschuldig an seiner misslichen Lage im Klub. „Ich habe die Schnauze voll“, sagte Pantelic.

Das reichte Favre allerdings nicht, um Pantelic gegen Hannover zuschauen zu lassen. Der Serbe spielte. Als er auflief, waren sogar leise Pfiffe gegen ihn zu hören. Er agierte dann lange glücklos. Allein in der ersten Halbzeit lief er drei Mal ins Abseits, eine gute Szene reichte dann aber zum gelungenen Auftritt: Nach Nicus Vorlage staubte Pantelic zum 1:0 ab. Die Fans feierten ihn daraufhin in Sprechchören.

Marko Pantelic hatte wohl vor dem Spiel sein Schweigen brechen müssen, denn in dieser Saison lief es nicht immer so glücklich für ihn wie gestern. Vor kurzem erst wurde er von Trainer Favre zum Zuschauen verdammt, nachdem er ein Training geschwänzt hatte. Es zeigte sich: Der Spielraum für die Kapriolen des eitlen Angreifers ist kleiner geworden in Berlin, zumal Hertha mit Andrej Woronin einen Stürmer verpflichtet hat, der Pantelic in punkto Strahlkraft nicht nachsteht – und gestern das 2:0 erzielte. Der Serbe vermied in besagtem Interview aber, es sich vollends mit seinem Klub zu verderben: „Bei Hertha schützen mich die Fans, einige Leute, aber selten die Entscheidungsträger.“ Das ist kein konkreter Angriff auf irgendjemanden. Daher blieben die Zitate von Pantelic vorerst ohne Konsequenzen. Dieter Hoeneß sagte: „Ich kommentiere das nicht.“ Der Ton von Herthas Manager ließ erkennen, dass er dem Interview keine große Bedeutung zumaß.

Interessant ist allerdings eine Aussage, die Pantelic zu seiner Zukunft macht: Es sei ein Gerücht, dass er Hertha nach der Hinrunde den Rücken kehren werde. Da aber könnte noch ein Faktor die Wende bringen. Was wird, wenn Favre seine Abneigungen gegenüber seinem Angreifer weiter auslebt? Gestern allerdings hatte Favre dazu keine Gelegenheit: Als er Pantelic gegen Hannover nach 86 Minuten auswechselte, feierten die Fans ihren Matchwinner. Claus Vetter

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