Sport : Angriff mit Eitelkeiten

Torjäger Marko Pantelic beschwert sich über seine Situation bei Hertha – sein Klub zeigt sich gelassen

Claus Vetter

Berlin - Wenn sich Marko Pantelic eines unterstellen lässt, dann sicher, dass der Profifußballer aus Serbien ein gutes Gefühl für Timing hat. Auf dem Platz sowieso, da schießt er für Hertha BSC seit Jahren mehr Tore als alle anderen. Aber auch abseits des Rasens weiß Pantelic, wann er was sagen muss: Vergangenen Donnerstag, beim Uefa-Cup-Spiel gegen Benfica Lissabon, gelang ihm nach seiner Einwechslung ein fulminantes Tor zum 1:1. Ein wichtiges Tor, ein großer Auftritt – den der Serbe nun zum Anlass nahm, sich nach monatelangem öffentlichen Schweigen mal wieder zu Wort zu melden. In einem Interview mit der am Mittwoch erschienenen „Sport-Bild“ klagt er über seine Situation bei Hertha. Trainer Lucien Favre sei nicht unschuldig an seiner misslichen Lage im Klub. „Ich habe die Schnauze voll“, sagt Pantelic.

Marko Pantelic musste wohl sein Schweigen brechen, denn diese Saison der Bundesliga verlief nicht immer glücklich für ihn. Kürzlich erst wurde er von Trainer Lucien Favre gar zum Zuschauen verdammt, nachdem er ein Training geschwänzt hatte. Es zeigte sich: Der Spielraum für die Kapriolen des eitlen Angreifers ist kleiner geworden in Berlin, zumal Hertha mit Andrej Woronin einen anderen Stürmer verpflichtet hat, der Pantelic in punkto öffentlicher Strahlkraft nicht nachsteht. Zurzeit allerdings ist der Ukrainer verletzt und Favre kommt nicht umhin, Pantelic aufzustellen – auch wenn er das nicht gerne macht. Zuletzt bei Herthas 1:1 in Dortmund am Sonntag, wechselte der Trainer Pantelic in der zweiten Hälfte aus und monierte danach, „dass wir ruhig das 2:1 hätten schießen können“. Das hieß wohl übersetzt: Wir brauchen Pantelic nicht unbedingt zum Toreschießen.

Der Serbe havariert in besagtem Interview allerdings im Nebel. Er sagt etwa: „Bei Hertha schützen mich die Fans, einige Leute, aber selten die Entscheidungsträger.“ Das ist kein konkreter Angriff auf irgendjemand im Klub. Daher blieben die Sätze von Pantelic vorerst ohne Konsequenzen. Dieter Hoeneß sagte: „Ich kommentiere das nicht.“ Der Ton von Herthas Manager ließ erkennen, dass er dem Interview keine große Bedeutung zumaß. Trainer Favre sah es wohl ähnlich. Am Mittwochmittag jedenfalls nahm Pantelic friedlich mit den Kollegen seine Mahlzeit ein und er sollte dann am Abend gegen Hannover 96 im Olympiastadion auflaufen (bei Redaktionsschluss hatte die Partie noch nicht begonnen).

Interessant ist allerdings eine Aussage, die Pantelic zu seiner Zukunft macht. Es sei ein Gerücht, dass er Hertha nach der Hinrunde den Rücken kehren würde: „Ich wechsle nicht im Winter.“ Da allerdings können womöglich noch andere Faktoren eine die Wende bringende Rolle spielen. Was wird denn, wenn Trainer Favre seine Abneigungen gegenüber seinem Angreifer weiter auslebt?

Der Streit um die Rolle von Pantelic bei Hertha ist sicher dauerhaft nicht förderlich. Bislang spielten die Berliner eine sehr gute Saison – auf dem Platz. Abseits des Rasens allerdings ist die Saison eher durchwachsen. Manager Hoeneß jedenfalls hat keine Lust auf die „Reibungsverluste“, an denen Pantelic nicht unschuldig ist. Hoeneß sagt: „Lasst uns lieber in höchstem Maße auf die Arbeit konzentrieren.“

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