Sport : Angriff nach Platzverweis

Hellmut Krug

45. Minute im Spiel zwischen Hertha BSC und Hannover 96: Schiedsrichter Holger Stark zeigt Hannovers Profi Altin Lala Gelb-Rot. Unmittelbar danach drückt Lala dem Hertha-Verteidiger Arne Friedrich die Hand ins Gesicht, eine Tätlichkeit. Schiedsrichter Stark bestraft Lala dafür nicht. Hätte er Lala nachträglich die Rote Karte zeigen müssen, Herr Krug?

Nein, das darf er nicht. Denn wenn ein Spieler des Feldes verwiesen ist – unabhängig ob mit Gelb-Rot oder mit Rot – gehört er nicht mehr zum Spiel. Der Schiedsrichter kann keine Strafe mehr gegen ihn aussprechen. Selbstverständlich bewegt sich ein Spieler aber damit nicht im rechtsfreien Raum. Wenn er nach seinem Spielausschluss eine weitere Regelübertretung begeht, wird der Schiedsrichter diesen Vorgang nach Spielschluss in seinem Spielbericht schildern.

Auf der Grundlage des Schiedsrichterberichts wird sich dann der Kontrollausschuss des DFB mit der Sachlage auseinander setzen und ermitteln, ob zusätzlich zum Feldverweis Anklage gegen den Spieler erhoben wird. Das geschieht in der Regel, wenn man zu der Auffassung gelangt, dass ein grob sportwidriges Verhalten des Spielers vorliegt. Wird dann Anklage gegen den Spieler erhoben, kann es sein, dass er gesperrt wird – und zwar über die ihm aufgrund des ursprünglichen Feldverweises zustehende Strafe hinaus. In diesem Zusammenhang ist es durchaus möglich, dass der Schiedsrichter bei einem Verfahren als Zeuge geladen wird.

Sollte sich nach einem weiteren Vergehen des ausgeschlossenen Spielers ein Gegenspieler wehren und sich daraus ein Tumult entwickeln, muss der Schiedsrichter natürlich eingreifen. Denn alle anderen Spieler, die in so eine Auseinandersetzung verwickelt sind, unterliegen nach wie vor der Strafgewalt des Schiedsrichters. Allerdings ist es in derartigen Situationen nicht Aufgabe des Schiedsrichters, als Ringrichter zu fungieren. Denn der Schiedsrichter kann das Geschehen kaum verfolgen, wenn er mittendrin ist. Außerdem ist die Gefahr, unabsichtlich getroffen zu werden, viel zu groß. Für den Unparteiischen und seine Assistenten geht es vielmehr darum, die Szenerie so genau wie möglich zu beobachten, um anschließend die richtigen Spieler bestrafen zu können.

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