Sport : Angst schlägt Leidenschaft

Der Abstieg des 1. FC Kaiserslautern wird immer wahrscheinlicher – mittlerweile trauen sich die Spieler nicht mal mehr zu kämpfen

Oliver Trust

Kaiserslautern . Die Stimmung ist gereizt. Auch am Tag danach. Die Anweisungen von Erik Gerets beim Training kommen schärfer als sonst. Die Nacht zwischen Niederlage und dem neuen Hoffen brachte keine Erlösung. Für viele Fans sind die Sätze der Kaiserslauterer Profis nur Durchhalteparolen. Da nützt es auch nichts, dass der Rückstand der Mannschaft auf den rettenden 15. Platz in der Fußball-Bundesligatabelle nicht größer geworden ist. Die Schlagzeilen in den Zeitungen trafen die Spieler beim Frühstück schmerzhaft. Hoffnungslosigkeit ist die Schlimmste alle Ängste. Beim Training interviewen Reporter ein paar Zuschauer. Von Wende und Aufholjagd sprechen die wenigsten der Befragten. Nicht nach dieser 1:2-Niederlage gegen den VfB Stuttgart. Nicht nach diesem Spiel „ohne Leidenschaft“, wie es Mario Basler nannte. „Die einen können nicht, die anderen wollen nicht“, sagte Rene C. Jäggi, der Vorstandsvorsitzende und rollte mit den Augen. „Wenn wir so weiter spielen, wissen wir in drei Wochen, in welcher Liga wir spielen. Es wird nicht die Erste sein", sagte Basler.

Vielleicht ist es sogar die Amateurliga, wenn die Pfälzer Funktionäre die Finanzprobleme nicht in dem Griff kriegen und die Lizenz verweigert wird. Es sind viele Wunder, die sie in der Pfalz brauchen. Und Basler schimpfte wie eine beleidigte Leberwurst über seinen Trainer: „Warum er mich auswechselt? Fragen sie den Trainer“. Gerets hatte nach 74. Minuten einfach genug von seinem Spaziergänger Basler, der sich als Führungsspieler sieht, und von seiner aufreizend teilnahmslosen Art. Führungsspieler legen sich anders ins Zeug. Das spürten auch die 36 500 Fans im Fritz-Walter-Stadion. Deshalb pfiffen sie, und deshalb schüttelten sie am Tag danach mit den Köpfen.

Mario Basler erschien zum Plausch im Anzug und weißen Hemd und erzählte von einer Familienfeier. Von Selbstkritik war er weit entfernt. Der andere Pfälzer Führungsspieler tauchte gar nicht auf. Ciriaco Sforza versank schon während der 90 Minuten, als die Stuttgarter wirbelten, im Nichts. Ein einziger Pass von ihm, ansonsten gab er den Stehgeiger. „Alle waren schlecht, sie lagen 30, 40 Prozent unter ihrem Niveau“, sagte Gerets. „Die Enttäuschung ist riesengroß.“

Was überhaupt noch Hoffnung mache, haben die Reporter Basler gefragt. Das 1:1 durch Lokvenc (39.) war es nicht. „Dass ich jede Wette, die ich in meinem Leben gemacht habe, fast immer gewonnen habe“, sagte Basler. Er hatte in „Sportbild“ 10 000 Euro gegen den Abstieg gesetzt. Nicht viel an dem man sich festhalten kann, wenn die Angst regiert und die Leistung nicht zu den flotten Sprüchen passt. Gerade, weil Basler und Sforza nicht in Form kommen, fehlt der Mannschaft Führung. Darunter leidet auch Mittelstürmer Mirolslav Klose. Er mühte sich, steckt aber weiter in der Krise. „Ich muss ein Tor machen aus einer meiner vier Chancen“, sagte er. Im Sommer wird er wohl in München oder Dortmund einen neuen Arbeitsplatz finden. Sein Transfererlös soll dem Klub helfen.

Anders die Angestellten des 1. FC Kaiserslautern in den Büros. Sie haben Angst um ihre Jobs. Jetzt, da der Klub der insolventen Baufirma Holzmann kündigte, die das Stadion für die WM umbaut, ist noch weniger Geld da. Ob der FCK die 3,5 Millionen, die er bisher bezahlte, zurück bekommt, ist inzwischen fraglich. Unklar ist auch, ob das Land Rheinland-Pfalz und die Stadt Kaiserslautern die 20 Millionen Eigenanteil des Klubs an den Baukosten von insgesamt 50 Millionen Euro übernehmen werden.

Gerets wirkte im Chaos wie ein einsamer Rufer. „Ich werde zeigen, dass ich nicht aufgebe“, sagte er. Und er sagte: „Nächste Woche spielen wir auf Schalke, nicht eben ein leichtes Spiel.“ Viel Arbeit für den Mann, der vor allem aufpassen muss, dass die Grüppchen im Team nicht zum Problem werden.

Hinter den Kulissen wird wieder über den Trainer gesprochen. Ob er noch der richtige Mann sei oder, ob er nicht schon am Anfang der Rückrunde all sein Pulver verschossen habe. Gerets schaut ratlos und traurig, trotz der kämpferischen Sprüche. Eine Niederlage in Schalke und anschließend ein schlechtes Heimspiel gegen Mönchengladbach, und er wird der Hauptschuldige sein. Ein Retter, der nicht retten konnte, was schon tief im Sumpf steckte.

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