Sport : Angst um Arminia

Bielefelds guter Eindruck aus der Hinrunde schwindet

Stefan Hermanns[Bielefeld]

Reinhard Saftig bemerkte zu spät, dass die Situation nicht gerade nach Scherzen schrie. Da war der Scherz schon in der Welt. Am Sonntag um halb fünf werde man sich zur Krisensitzung einfinden, hatte der Sportdirektor von Arminia Bielefeld gesagt – dann, wenn ganz Deutschland und vor allem die neugierigen Journalisten vor dem Fernseher sitzen, um den Handballern zuzuschauen. „Aber eigentlich sollte man darüber keine Witze machen“, sagte Saftig. Nicht nach einer 0:2-Heimniederlage gegen den Abstiegskandidaten Borussia Mönchengladbach und nicht in dieser vertrackten Situation, in die Arminia und ihr Trainer Thomas von Heesen inzwischen hineingeschlittert sind.

Seit acht Spielen ist die Mannschaft in der Fußball-Bundesliga nun ohne Sieg. Der gute Eindruck, den das Team mit seinen ansehnlichen Darbietungen in der Hinrunde hinterlassen hat, droht zu verschwimmen. Als die Arminia nach knapp einer halben Stunde gegen Gladbach in Rückstand geriet, reagierten die Fans umgehend. „Wir woll’n euch kämpfen sehen!“, riefen sie. Die Aufforderung ist so etwas wie das Passepartout für das unzufriedene Fußballpublikum. Denn den Bielefeldern mangelte es nicht am Willen, ihnen fehlten Kreativität und spielerisches Vermögen, um die taktisch klug aufgestellten Gladbacher in Verlegenheit zu bringen.

„Unser Polster schmilzt langsam dahin“, sagte Arminias Kapitän Mathias Hain nach der Niederlage. Mit einem Sieg hätten die Bielefelder ihre Distanz zu den Gladbachern auf zehn Punkte vergrößern können. Jetzt sind es nur noch vier bis zum ersten Abstiegsplatz, und am nächsten Wochenende reist Arminia zu den Bayern nach München. „Das Spiel war immens wichtig für die Ausrichtung der nächsten Wochen“, sagte Trainer von Heesen. Demnach ist die kurzfristige Perspektive erst einmal bescheiden. Trotzdem mahnte von Heesen: „Wir dürfen uns jetzt nicht verrückt machen lassen.“ Schon aus Selbstschutz war das ein zwingend notwendiger Wortbeitrag.

Zum ersten Mal in dieser Saison erging vom Publikum der Ruf an den Vorstand, dem aktuellen Trend der Liga zu folgen und das Arbeitsverhältnis mit dem Trainer umgehend zu beenden. Später richteten sich die Fans direkt an von Heesen: „Du kannst nach Dortmund geh’n!“ Kapitän Hain fand solche Äußerungen „völlig deplatziert“.

Die Situation ist so ähnlich wie bei von Heesens Vorgänger Uwe Rapolder – und doch ganz anders. Auch Rapolder hat sich mit seiner innovativen Arbeit in Bielefeld für Klubs mit größerem Namen interessant gemacht. Doch nur einen Tag nachdem er seinen Wechsel zum 1. FC Köln bekannt gegeben hatte, musste Rapolder seinen Platz in Bielefeld räumen. Bei von Heesen soll das anders sein. Geschäftsführer Roland Kentsch sagte, dass der Trainer „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bis zum Saisonende bleibt“. Sein Nachfolger, den der Verein in dieser Woche präsentieren will, soll erst im Sommer anfangen. Einen aussichtsreichen Kandidaten mussten die Bielefelder schon von ihrer Liste streichen: Jos Luhukay, mit dem die Gladbacher in Bielefeld den ersten Auswärtssieg dieser Saison feiern konnten.

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