Sport : Angst vor dem Absturz

Das Aus im Europacup verunsichert Lemgos Handballer

Erik Eggers

Köln. Fynn Holpert hat das große Handball-Fest absagen müssen. Vor Wochen schon hatte der Geschäftsführer von Bundesligst TBV Lemgo einen Vertrag mit der Preussag-Arena in Hannover unterschrieben, um mit seinem Klub das anvisierte Finale im Europapokal der Pokalsieger vor 10500 Zuschauern bestreiten zu können statt vor 3600 Besuchern in Lemgo. Doch der TBV verlor am Wochenende überraschend das Halbfinal-Rückspiel gegen den schwedischen Klub Redbergslids IF 35:37 und schied aus. „Damit geht uns ein sechsstelliger Betrag durch die Lappen“, sagte Holpert konsterniert nach dem Spiel der Fachzeitschrift „Handballwoche“.

Schon seit Wochen kritisiert Holpert den Deutschen Handball-Bund (DHB) wegen der Länderspiele Mitte März in Frankreich und gegen Island. „Ich finde es einfach fahrlässig, wenn man zu diesem Zeitpunkt einen Lehrgang macht“, sagte Holpert, „arrivierte Spieler sollte man in dieser heißen Phase des Europacups schonen, schließlich ist das keine Spaßveranstaltung.“ Weil der TBV mit Schwarzer, Baur, Kehrmann und Ramota das Gerüst der Nationalmannschaft stellte, habe sich Lemgo nicht konsequent genug vorbereiten können auf den Europapokal. „Das ist nicht der Grund, warum wir ausgeschieden sind“, sagte Holpert. Doch der Vorwurf ist ausgesprochen. „Der Terminplan“, kontert Bundestrainer Heiner Brand, „ist schon lange vor der Saison mit der Liga abgestimmt worden.“ Zudem habe er den Nationalspielern bei den zwei Länderspielen „bewusst weniger Einsatzzeit gegeben“. Gegen Redbergslids hätten die Nationalspieler „nun wirklich nicht schlecht gespielt“.

Womöglich hängen die nervösen Äußerungen aus Lemgo mit der Furcht vor einem Déjà-vu-Erlebnis zusammen. In der vergangenen Saison wurde Lemgo nach langer Tabellenführung noch von Kiel abgefangen. In dieser Spielzeit nun gewann Lemgo alle Partien der Hinrunde, nur im Pokal unterlag man dem THW Kiel. Droht nun, nach drei Niederlagen in Folge, ein ähnlicher Absturz? Der Geschäftsführer des ärgsten Verfolgers Flensburg, Thorsten Storm, orakelt schon, Lemgo würde erneut „die Luft ausgehen“ und schreibt die Meisterschaft trotz eines Sechs-Punkte-Rückstands nicht ab. „Wir verfallen jetzt nicht in Panik“, sagt dagegen Lemgos Trainer Volker Mudrow. Zur ersten Nervenprobe kommt es am Mittwoch, beim Heimspiel gegen den Wilhelmshavener HV.

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