Sport : Angst vor der eigenen Abwehr Werders Neue zeigen

in Basel Schwächen

Frank Hellmann

Basel - Thomas Schaaf ist kein Freund der feinen Garderobe. Doch wenn Spiele der Champions League rufen, unterwirft sich auch der Fußball-Trainer von Werder Bremen der Kleiderordnung, schlüpft in den gedeckten Klub-Anzug und bindet sich den Schlips um. Gut möglich, dass Schaaf sich die Prozedur in dieser Saison nur noch einmal antun muss: Seiner Mannschaft droht schon in der Qualifikation der Champions League das Aus. Nach dem 1:2 beim FC Basel mochte die sportliche Leitung nicht zur Tagesordnung übergehen. Noch nächtens auf dem Rückflug unterhielten sich Schaaf und Manager Klaus Allofs über das, was auch Stürmer Miroslav Klose erzürnte: „Wir haben absolut nicht das umgesetzt, was wir können.“

Stürmer Klose, der den 1:2-Anschlusstreffer erzielte, auf dem nun alle Werder-Hoffnungen ruhen, fühlte sich gar ans traumatische Achtelfinal-Ausscheiden gegen Olympique Lyon vor einem halben Jahr erinnert, „nur waren wir diesmal nicht ganz so blind“. Und doch schwang in Kloses Worten die Sorge vor einer neuerlichen Blamage mit. Nebenbei würde Werder noch auf einige Millionen Euro verzichten müssen.

Allein deshalb hatte Vorstandsboss Jürgen L. Born für den Auftritt im „Joggeli“, wie die begeisterungsfähigen Baseler ihren schmucken St.-Jakob-Park nennen, „den Holzhammer“ empfohlen. Lange sah es dann aber so aus, als hätte der Bundesliga-Dritte stattdessen beim Schweizer Meister zum Schaustoffhämmerchen gegriffen, so konsequent ging Werder den Zweikämpfen aus dem Wege. „Wir haben sehr lange nur zugeschaut“, sagte Schaaf. Anfälligster Bremer Bereich bleibt die Abwehr. Die türkisch-finnisch-brasilianisch-belgische Viererkette (Davala, Pasanen, Naldo und van Damme) stürzte von einer Verlegenheit in die andere. Mit dem 0:2 nach einer furiosen Baseler Angriffsstunde waren die Bremer noch gut bedient. Auch das konfuse zentrale Bremer Mittelfeld leistete sich viele panikartige Fehltritte, der Verlust des abgewanderten Valerien Ismael könnte folgenschwer werden. Zumal Verständigungsschwierigkeiten so schnell nicht zu beheben sind: Der neue Brasilianer Naldo spricht nur Portugiesisch, der Finne Pasanen spricht so gut wie gar nicht. Allofs kritisiert: „Naldo muss seine Spielweise umstellen, in Brasilien hat er mehr im Raum verteidigt.“

Somit scheinen dem ersten Eindruck nach die Bremer Bemühungen, die Defensive mit neuem Personal zu stärken, vergebens gewesen zu sein. Dabei hat Werder für viel Geld neue Verteidiger gelockt. Doch die waren in Basel entweder überflüssig, saßen wie Owomoyela und Andreasen auf der Bank, wirkten überfordert (Naldo) oder gingen überhart ans Werk wie Jelle van Damme.

Der Schweizer Fußball glaubt nun an die Chance, erstmals zwei Teams in die Champions League zu entsenden. Schließlich hat auch der FC Thun sein Hinspiel (1:0 in Malmö) gewonnen, woraus die Schweizer nun kollektive Zuversicht schöpfen. „Es gibt ja das Vorurteil, dass der Fußball in der Schweiz nichts taugt“, sagte der einst bei Bayer Leverkusen ausgemusterte Baseler Torwart Pascal Zuberbühler. „Es ist an der Zeit, das zu widerlegen.“ Seine selbstbewusste Ankündigung für das Rückspiel gegen Bremen am 24. August lautete dann: „Werder ist auch im Weserstadion nicht unschlagbar.“

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