Sport : Angst vor der Lähmung

Im DFB ersehnen viele Zwanzigers Rückzug.

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Berlin - Im Stadtwald von Frankfurt am Main spekulieren sie jetzt wieder: Meint er es tatsächlich ernst? Will Theo Zwanziger, Noch-Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), bei seinem Wort bleiben, nun schon im Frühjahr zurückzutreten? Hochrangige Funktionäre sind sich da nach den vielen Volten ihres hin und wieder amtsmüden Verbandschefs nicht so sicher, obwohl Zwanziger, der trotz des feststehenden Nachfolgers Wolfgang Niersbach erst im Oktober gehen wollte, nun einen neuen Termin in Erwägung zieht: Ende Februar, Anfang März. Am Donnerstag wollen die Landesverbände in der DFB- Zentrale beraten, Zwanziger wird das Wort führen. Abgesehen von dessen letzten treuen Truppen hoffen die meisten Funktionäre im Profi- und Amateurfußball übermorgen auf ein schnelles Ende. „Der Verband bleibt sonst gelähmt“, sagt ein Landesfürst, der ungenannt bleiben will.

Zwanziger hat mit seinen neuen Äußerungen den DFB erneut irritiert. So erzählte er der „Welt“, dass Niersbach stets sein Wunsch-Nachfolger gewesen sei. Dabei hatte er intern alles getan, um eine Einigung auf ihn zu verhindern. Aus Verbandskreisen heißt es, Zwanziger habe stets den einstigen VfB-Stuttgart-Präsidenten Erwin Staudt protegiert und, nachdem dies von der Bundesliga und wichtigen Amateurvertretern zugunsten Niersbachs abgelehnt worden war, sogar erwogen, seine Rücktrittsankündigung gänzlich zurückzunehmen. Bislang ist Zwanzigers Rücktritt faktisch nicht erklärt.

Bis dahin scheint der Chef mit sich selbst beschäftigt. Für Bestürzung sorgte bei hohen Funktionären im Amateurlager die Äußerung von Ligapräsident Reinhard Rauball im Tagesspiegel, er habe seit Zwanzigers plötzlicher Rücktrittsankündigung vor zwei Wochen keinen Kontakt mehr zu ihm gehabt. Während sich Rauball trotz seiner Forderung nach einem schnellen Wechsel konziliant gab, schlug Zwanziger im eigenen Interview um sich. Liga-Generalsekretär Christian Seifert, der Zwanziger ebenfalls zum Aufhören gedrängt hatte, warf er mangelnden Respekt „vor der Lebenserfahrung älterer und erfahrener Menschen“ vor; kritische Journalisten kanzelte er ab, sie könnten „offenbar mein Gesicht nicht mehr sehen“. In der Verbandszentrale herrscht offizielles Schweigen dazu. Die meisten hoffen wohl auf Ruhe nach Donnerstag. Einer sagt: „Danach müssen wir erst mal die Scherben zusammenkehren.“ Robert Ide

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