Sport : Angst vor der Sicherheitslücke

WM-Tickets für Sponsoren und Verbände sind nicht personengebunden - das verärgert Fans, Verbraucherschützer und Polizei

André Görke

Berlin - Fanverbände, Verbraucherschützer und die Polizei haben verärgert und verblüfft auf die Nachricht reagiert, dass die Tickets von Sponsoren und Fußballverbänden für die Weltmeisterschaft 2006 nicht personengebunden sind. „Das ist ein Schock“, hieß es gestern bei der Koordinationsstelle der deutschen Fanprojekte (Kos). Während sich die Bundeszentrale der Verbraucherschützer „veräppelt“ fühlt, sieht die Polizei eine „mögliche Sicherheitslücke“.

Der Vizepräsident des Organisationskomitees (OK), Horst R. Schmidt, hatte dem Tagesspiegel am Sonntag bestätigt, dass auf den Eintrittskarten der WM- Sponsoren und teilnehmenden Verbände „kein einzelner Name, sondern nur der entsprechende Firmen- oder Verbandsname“ gedruckt werde. Von den gut drei Millionen Eintrittskarten stehen den WM-Sponsoren 550 000 Karten zu, die teilnehmenden Fußballverbände erhalten 470 000. Zwar werden laut Schmidt Namenslisten angefertigt, die in den Stadien hinterlegt werden sollen. Doch da kein Name auf den Tickets steht, könnten die Karten auf dem Schwarzmarkt gehandelt werden, befürchten Sicherheitsexperten. „Das erleichtert unsere Arbeit nicht“, sagt Frank Scheulen, Sprecher der Zentralen Informationsstelle für Sporteinsätze (ZIS). Dort werden die Daten von Hooligans und Fans mit Stadionverbot gespeichert. Die ZIS befürchtet ein „Informationsdefizit“, wenn die Daten nicht kontrolliert werden können.

Auf den Eintrittskarten aus dem freien Fanverkauf dagegen wird der Name des Besitzers stehen. Über einen Chip, der im WM-Ticket integriert ist, kann außerdem auf die Daten des Besitzers zurückgegriffen werden, die dieser zuvor auf seitenlangen Bestellformularen angeben musste. Dies wurde vom OK mit Sicherheitsstandards begründet. „Es ist sonderbar, dass zwei Maßstäbe gelten“, sagt Verbraucherschützer Carel Mohn. „Bei den Fans setzt man sich über alle Datenschutzbedenken hinweg, bei Sponsoren ist das Prozedere anders. Damit macht man sich unglaubwürdig.“ Schmidts Ankündigung, nun doch eine Tauschbörse für Fankarten einzurichten, wird dagegen ausdrücklich begrüßt. Fanvertreter der Kos fordern nach dieser „Ungleichbehandlung“ allerdings „viel Service und leichte Handhabe“ beim Verkauf der Tickets über die Ticketbörse. „Das würde für Entspannung sorgen“, sagt Kos-Vertreter Michael Gabriel.

Die OK-Sicherheitsabteilung kommentierte die Aussagen des Vizepräsidenten eher verhalten. „Wir haben die Aussagen gelesen“, hieß es am Montag. „Wir werden intern darüber reden.“ Eine nennenswerte Änderung der Sicherheitslage sehe das OK jedoch nicht.

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