Sport : Angst vor der Verschwörung

Spielen Schweden und Dänen 2:2, ist Italien raus

Raphael Honigstein[Lissabon]

Die Chartermaschine steht bereit. Sollte Italien heute Abend in Guimarães aus dem Turnier fliegen, wäre man morgen schon wieder zurück in Rom. Ein furchtbare Vorstellung, nicht nur für Trainer Giovanni Trapattoni und seine Spieler. Denn ohne sie wäre diese EM wirklich nur der halbe Spaß. Denn bei den Italienern läuft das Chaos jeden Tag pünktlich um 12.15 Uhr in geregelten Bahnen ab.

Der Unterhaltungswert ist hoch. Der Samstag gehörte den Verschwörungstheorien. Bis insDetail wurde erörtert, wie Schweden und Dänen am besten ein 2:2-Unentschieden inszenieren könnten – unabhängig vom eigenen Ergebnis gegen Bulgarien wäre Italien in diesem Fall ausgeschieden. Würde die Uefa so etwas zulassen? Natürlich, Präsident Lennart Johansson ist schließlich ein Schwede. Johannssons Entrüstung – „in der nordischen Kultur werden Spiele fair abgewickelt“ – macht ihn in den Augen der Tifosi erst recht verdächtig. „Ich will, dass 50 Kameras jede Minute des Spieles (zwischen Dänemark und Schweden) filmen“, forderte der gesperrte Gennaro Gattuso. Verbandspräsident Franco Carraro wies prompt die Rai an, mit eigenen Kameras beim skandinavischen Derby etwaige Ungereimtheiten einzufangen.

Als der eine oder andere dann doch endlich über Italiens eigene Partie gegen die Bulgaren sprechen wollte, kam Christian Vieri in den Interviewraum und kündigte den Anwesenden in einem wütenden Monolog die Freundschaft: „Als Fußballer könnt ihr mir alles sagen, aber niemand darf sich erlauben, mich als Menschen zu beurteilen. Ich bin ein größerer Mensch als ihr alle zusammen“, rief er in den Raum. Die Zeitungen hatten über einen Streit zwischen Vieri und Torhüter Gianluigi Buffon nach dem 1:1-Ausgleich der Schweden berichtet. Alles erlogen, behauptete Vieri. „Das ist das letzte Mal, dass ich mit euch spreche.“

Gegen Bulgarien müssen die Italiener stürmen, zwei Tore Vorsprung brauchten sie, um bei einem 0:0 oder 1:1 im anderen Match weiterzukommen. Das ist vielleicht gar nicht so schlecht. Trapattoni ist so gezwungen sich von der alten Idee zu verabschieden, knappe Siege über die Zeit zu retten. Antonio Cassano muss in Abwesenheit des gesperrten Totti die Verantwortung übernehmen. „Alles schwebt in der Luft“, sorgte sich die „Gazzetta dello Sport“ gestern. Wie gesagt, die Chartermaschine steht bereit.

* * *

Wer kommt wann ins Viertelfinale?

Schweden:

- bei einem Sieg gegen Dänemark.

- bei einem Unentschieden.

- bei einer Niederlage, wenn Italien gegen Bulgarien nicht gewinnt.

Dänemark:

- bei einem Sieg gegen Schweden.

- bei einem 2:2 oder einem höheren Unentschieden.

- bei einem 1:1, wenn Italien gegen Bulgarien mit nur einem Tor Unterschied gewinnt.

- bei einem 0:0 oder einer Niederlage, wenn Italien nicht gegen Bulgarien gewinnt.

Italien:

- bei einem Sieg gegen Bulgarien, wenn Dänemark oder Schweden verliert oder das Spiel 0:0 endet.

- bei einem Sieg gegen Bulgarien mit mindestens zwei Toren Unterschied, wenn Dänemark gegen Schweden 1:1 spielt.

Bulgarien:

- hat keine Chance mehr, das Viertelfinale zu erreichen. Tsp

0 Kommentare

Neuester Kommentar