Sport : Angst? Vor mir?

Wolfsburgs Chef Felix Magath sieht sich anders als der Rest der Welt ihn. Vor dem Spiel gegen Bayern unterziehen wir seine Aussagen dem Faktencheck

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Medizinmann oder Medizinballmann? Felix Magath versuchte sich zuletzt am Wandel seines öffentlichen Bildes. Doch selbst die Spieler meinen: Magath bleibt Magath. ]Foto: dpa
Medizinmann oder Medizinballmann? Felix Magath versuchte sich zuletzt am Wandel seines öffentlichen Bildes. Doch selbst die...Foto: dpa

Heute empfängt im Bundesliga-Spitzenspiel der VfL Wolfsburg den FC Bayern München (15.30 Uhr, live bei Sky). Die Bayern müssen auf Arjen Robben verzichten, den Rücken und Adduktoren plagen. Im Mittelpunkt wird sowieso Wolfsburgs Trainermanager Felix Magath stehen, der einst den Bayern nicht gut genug war und der seinen Ruf als härtester Spielerschleifer nicht mehr verteidigen will. Doch hat sich Magath tatsächlich gewandelt, wie er zuletzt glauben machen wollte? Wir haben seine Aussagen einem Realitätscheck unterzogen.

„Ich biete jedem Spieler eine Zusammenarbeit mit mir an.“

Auf die Frage, ob Spieler Angst vor ihm haben müssen, antwortet Magath meistens mit einem milden Lächeln. „Selbstverständlich nicht“, sagt der 48-Jährige. Arbeitsrechtlich betrachtet ist das richtig. Aber das Beispiel des aussortierten Spielmachers Diego zeigt: Wer Magaths Regeln nicht befolgt, hat bei ihm keine Chance. Diegos Kollegen versuchen sich mit den Prinzipien ihres strengen Chefs so gut wie möglich zu arrangieren. „Der Trainer hat sich verändert. Er spricht mehr mit uns Spielern“, findet Neuzugang Hasan Salihamidzic, fügt aber auch hinzu: „Magath ist mit seiner Art Magath und wird es auch immer bleiben.“

„Es gab Transfers in der Vergangenheit, die mir das Leben jetzt schwer machen.“

Die Rede ist von Magaths Vorgänger Dieter Hoeneß. Aber eigentlich findet der jetzige Manager Bewertungen nach der bisherigen Transferpolitik in Wolfsburg „unzulässig“. Wenn es um direkte Schuldzuweisungen geht, wählt der rhetorisch gut geschulte Trainer gerne kleine Umwege. Jene sechs Profis, die Hoeneß während der Winterpause gekauft hat, um dem Abstieg zu entrinnen, mag Magath eigentlich nicht kommentieren. Um es dann doch zu tun. Denn die Transfers machen ihm das Leben tatsächlich schwer. Unter der Regie von Hoeneß wurde ein aberwitzig teures Team zusammengekauft, das sein Geld nicht wert ist. Immerhin Tuncay Sanli ist er erst einmal los – der 29 Jahre alte Mittelfeldspieler wurde an die Bolton Wanderers in die englische Premier League ausgeliehen.

„In Wolfsburg wird zu viel geträumt.“

Was unterscheidet den VfL Wolfsburg vom FC Bayern? Über diese Frage kann Magath nur lachen, dann aber wird es richtig ernst. „Das ist eine Frage von allem“, weiß Magath. Vor dem heutigen Duell gegen seinen früheren Klub hat sich Magath sogar ein wenig in Rage geredet. „In Wolfsburg wird zu viel geträumt und über die Meisterschaft und das Vergangene geredet.“ Wenn Magath den VfL Wolfsburg, dessen Status und die Möglichkeiten kleinredet, handelt es sich allerdings um geschickte Ablenkungsmanöver. Was das Finanzielle betrifft, sind die Niedersachsen nämlich von den Münchnern gar nicht weit entfernt. Jüngste Gerüchte, dass der Volkswagen-Konzern die VfL Wolfsburg Fußball GmbH mit bis zu 100 Millionen Euro pro Jahr unterstützt, haben weder Magath noch seine Vorgesetzten kommentiert.

„Selbstverständlich schaue ich mir Statistiken an.“

Spielerdaten, Fitnesswerte, Statistiken: Das ist nicht gerade Magaths Lieblingsfeld. Magath wird gerne unterstellt, dass seine Methoden beschränkt und überholt sind. Deshalb sagt er auch: „Es ist immer gut, Informationen zu haben. Was ich davon gebrauchen kann, muss man dann sehen.“ Sagen will er damit: Nein, ich nutze das nicht. Wenn es vertraulicher wird, gibt Magath mehr Einblick in seine Vorstellung von moderner Trainingslehre. Sie basiert auf Fleiß, Ordnung und Disziplin. Es ärgert Magath, immer nur als Schleifer und Freund von Medizinbällen dargestellt zu werden. Aber ein Freund von Statistiken ist er trotzdem nicht.

„Oh, der VfL Wolfsburg hat viel Geld.“

Wer Ärger riskieren will, befragt Magath täglich nach den neuesten Gerüchten zur Personalpolitik. Der Freiburger Torjäger Papiss Demba Cissé soll weiterhin auf seinem Einkaufszettel stehen. Der 21 Jahre alte Schwede Rasmus Jönsson (Helsingborg IF) auch. „Ich kann nichts dafür, dass die Medien gerne und von jedem irgendwelche Informationen nehmen. Alles wird in eine Schublade gesteckt. Und dann heißt es: Oh, der VfL Wolfsburg hat viel Geld.“ In seiner Sprache kann das heißen: Ich nehme beide Spieler.

„Ich gehe davon aus, dass der VfL Wolfsburg meine letzte Station in der Bundesliga ist.“

Davon auszugehen, dass dieser Satz von Magath eine lange Haltbarkeitsdauer hat, wäre naiv. Zwei Tage nach seiner Trennung vom FC Schalke 04 hatte Magath am 18. März schon wieder beim VfL Wolfsburg angeheuert. Solche emotionslosen Seitenwechsel begründet der Routinier mit den Gesetzmäßigkeiten der Branche. Ein Blick zurück ins Jahr 2009. Frage: „Herr Magath, wenn Ihr Wechsel zu Schalke 04 nicht in Frage kommt, warum dementieren Sie ihn dann nicht?“ Antwort: „Warum sollte ich dementieren, was sich irgendein Journalist ausdenkt?“ Kurze Zeit später gab Magath zu, dass er den angehenden Meister Wolfsburg in Richtung Schalke 04 verlässt.

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