Sport : Angst vor Pfiffen

Rolf Aldag beendet Karriere bei Berliner Sixdays

Hartmut Moheit

Berlin - Vom Ausklang des 31. Januar 2006, eines Dienstags, hat Rolf Aldag bereits klare Vorstellungen: Er möchte gemeinsam mit Robert Bartko den Schlussspurt beim 95. Berliner Sechstagerennen gewinnen, damit den Gesamterfolg holen und danach seine Profikarriere als Radsportler beendet. „Olaf Ludwig hat mir von 1997 erzählt, wie das bei ihm war“, sagt der 37 Jahre alte Westfale. „Das ,We are the Champions’ klingt ihm heute noch in den Ohren, einen besseren Abschied könnte ich mir nicht wünschen.“

Ganz bewusst hat Aldag das Velodrom für seinen Abschied gewählt, die Erinnerungen des heutigen T-Mobile-Teamchefs Ludwig waren für ihn nur noch eine Bestärkung seiner Absicht. „Die Sixdays-Fans honorieren die sportliche Leistung wie sonst nirgendwo im Sechstagesport, das war für mich entscheidend“, erzählt Aldag nahezu euphorisch, warum er sich für Berlin als Schauplatz seines letzten Rennens entschieden hat.

Nun aber quälen ihn plötzlich ein paar Zweifel, ob sich seine Wünsche vom 26. bis zum 31. Januar 2006 auch tatsächlich erfüllen lassen. Schließlich wird Aldag an der Seite von Robert Bartko den Platz von Guido Fulst einnehmen, und Bartko/Fulst waren zuletzt die Publikumslieblinge im Velodrom. Nachdem Fulst aber erfuhr, dass die Organisatoren um Heinz Seesing und den Sportlichen Leiter Otto Ziege nicht ihn, sondern Aldag neben Bartko fahren lassen wollten, lehnte Fulst alles andere ab. Daraufhin wurde er, auch weil er deswegen an die Öffentlichkeit ging, ganz von der Fahrerliste der 95. Sixdays gestrichen. „Hoffentlich werde ich jetzt nicht wegen dieser Geschichte ausgepfiffen“, sagt Rolf Aldag. „Professionell war das Verhalten von Fulst auf keinen Fall. Der Veranstalter entscheidet nun mal, und ich habe das zu akzeptieren, nicht zu kommentieren.“

Für sich zieht Aldag die Konsequenz, „in absoluter Top-Form nach Berlin kommen zu müssen“, um die Fans für sich gewinnen zu können. Der Radprofi, der zehnmal die Tour de France fuhr, einmal den Giro und sechsmal die Vuelta, scheut sich nicht vor dieser finalen Anstrengung: „Diesmal muss ich auf nichts mehr Rücksicht nehmen, es folgt leistungssportlich nichts mehr. Und wenn ich hinterher noch fünf Jahre älter aussehe, na und?“

Zweimal war er in Berlin bisher am Start, zweimal hat er gesiegt. Risi/Betschart aus der Schweiz, die Holländer Slippens/Stam, aus Belgien Gilmore/Keisse sowie Villa/Marvulli (Italien/Schweiz) werden diesmal die Hauptkontrahenten sein. Bei dem Rennen, das Rolf Aldag als seine „letzte Höllentour“ bezeichnet.

0 Kommentare

Neuester Kommentar