Sport : Angst vorm Fußballspielen

U 21 verliert bei EM und fährt nicht zu Olympia

André Görke

Mainz – An diesem Abend konnte Bastian Schweinsteiger niemand mehr trösten. Die Kollegen lagen auf dem Rasen, um sie herum sprangen die portugiesischen Spieler und sangen. Schweinsteiger war das alles zu viel. 1:2 hatte die deutsche U-21-Nationalmannschaft verloren. Schweinsteiger zog sein weißes Trikot aus der schwarzen Hose und lief in die andere Ecke des Stadions. Zehn Minuten stand er dort. Später sagte er leise: „Wir hatten Angst, Fußball zu spielen.“

Die deutsche Nachwuchs-Nationalmannschaft ist wegen dieser Niederlage bei der Europameisterschaft ausgeschieden und kann sich nicht mehr für die Olympischen Spiele in Athen qualifizieren. Es war nicht einmal ein Trost, dass sich Schweinsteiger und sein Kollege Lukas Podolski heute beim A-Team melden dürfen. Den beiden U-21-Nationalspielern hatte Teamchef Rudi Völler einen Platz für die EM in Portugal reserviert. „Ich habe keine große Lust, darüber zu reden“, maulte Schweinsteiger. „Mal sehen, ob ich mich morgen freuen kann.“

Als die Spieler traurig vor der Kabine des Mainzer Stadions standen, schimpfte Trainer Ulli Stielike über das schwache Spiel seines Teams: „Nach wenigen Minuten war abzusehen, dass wir dieses Spiel nicht gewinnen können. Heute hatten wir absolut die Hosen voll, da lief gar nichts.“

Die Niederlage war in der Tat schon früh zu erahnen gewesen, zu selten konnten sich die Deutschen gegen die Portugiesen durchsetzen. Hugo Almeida hatte Portugal nach einem Konter in Führung gebracht, als er den Ball über den herausstürzenden Keeper Tim Wiese ins Tor geschaufelt hatte. Erst kurz vor der Pause übernahmen die Deutschen für wenige Minuten die Initiative. Im Gewühl hatte sich Bastian Schweinsteiger den Ball genommen und ihn klug in die Ecke des Tores geschoben. „Für kurze Zeit hatte ich noch mal an den Sieg geglaubt“, sagte Stielike. Zwar hätte bereits ein Unentschieden zum Einzug ins Halbfinale genügt hätte, „aber ich habe schnell gemerkt: Wir brauchen ein zweites Tor, sonst wird es eng.“

Beinahe hätte es geklappt: Benjamin Auer traf die Latte. Ab der 70. Minute aber spielte das Team auf Zeit, wirkte wieder ängstlich und musste den entscheidenden Gegentreffer hinnehmen, als Lourenco den Ball mit voller Wucht unter die Latte drosch (78.). Ein Treffer, der so sehr schmerzte, dass Stielike spontan Rücktrittsgedanken äußerte. „Ich muss erst mal meine Gedanken ordnen“, sagte er. „Ich weiß nicht, ob ich das noch mitmachen will.“

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