Sport : Ankunft in der Bundesliga

Der HSV galt nach dem Sieg im Ligapokal schon als Meisterschaftsfavorit – gegen Hannover verloren die Hamburger 0:3

Karsten Doneck

Hamburg. Durchgeschwitzt kam Gerd Tremmel in den Kabinengang. Von einem Reporter wurde ihm wie ein Volleyschuss die Frage entgegengeschmettert, ob man sich denn mehr wünschen könne zum Saisonauftakt in der Bundesliga, wollte der Fragensteller wissen. Tremmel überlegte nicht lange. „Na ja, vielleicht noch das eine oder andere Tor mehr“, antwortete er mit einem breiten Lächeln im Gesicht. Aus den Worten des Torwarts von Hannover 96, dem Ligapokalsiegerbesieger, sprach keineswegs Hochmut, er redete im Überschwang des Glücks so daher. 3:0 (1:0) hatten die Hannoveraner gewonnen, beim Hamburger SV in der AOL-Arena, dort also, wo man gewöhnlich ganz selten gewinnt. Zuletzt war das dem FC Bayern München gelungen, vor fast einem Jahr, ebenfalls mit einem 3:0. Da kann sich Hannovers Torwart durchaus mal voller Übermut äußern.

Die Tore von Stajner, Brdaric und Idrissou waren für die Gäste verdienter Lohn für eine engagierte Leistung. Vor allem gegen die starken Außenspieler Stajner und Idrissou hatte der HSV kein Mittel. „Zur Pause hätten wir höher führen müssen“, sagte auch Hannovers Trainer Ralf Rangnick und erntete keinerlei Widerspruch.

Beim HSV hingegen ging nichts zusammen. Die Mannschaft, die im Ligapokal nacheinander gegen die Großen der Liga so überzeugend aufgetreten war, brachte keine Linie in die eigenen Aktionen. Rodolfo Cardoso glänzte zwar anfangs mit ein paar Zauberkunststücken am Ball, aber alsbald tauchte er unter. Sergej Barbarez fiel vor der Pause allein dadurch auf, dass er selbst einfache Pässe in die Beine des gut gestaffelten Gegners spielte. „Wir sind zurück in der Bundesliga“, sagte HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer. Er sprach von einer „miserablen ersten Halbzeit, in der uns jede Entschlossenheit gefehlt hat“.

Die Hamburger hatten nach dem Seitenwechsel die Chance, dem Spiel noch einen anderen Dreh zu geben. Immer wieder setzten die Mitspieler ihren Torjäger Bernardo Romeo in Szene. Keine schlechte Idee eigentlich, nur Romeo machte da nicht wie gewünscht mit. Innerhalb von nur drei Minuten vergab er nach der Pause drei glasklare Torchancen zum 1:1-Ausgleich. Trainer Kurt Jara nahm den Argentinier dennoch in Schutz. „Der war einfach nur glücklos. Dem fehlten oft nur zehn, zwanzig Zentimeter, um den Ball über die Linie zu drücken. Das kommt vor“, sagte Jara.

Die Niederlage für den HSV könnte schwer wiegen. Die nächsten beiden Spiele muss die Mannschaft auswärts bestreiten: erst beim VfL Bochum, dann beim VfL Wolfsburg. Danach kommt der Meister Bayern München in die AOL-Arena. Droht nach dem Gewinn des Ligapokals nun ein dramatischer Fehlstart in der Bundesliga? Dietmar Beiersdorfer will davon nichts wissen. „Wir müssen ruhig bleiben, dürfen jetzt nicht in Hektik verfallen“, sagte er. Um die Schmach gegen Hannover vergessen zu machen, wäre Dietmar Beiersdorfer ohnehin ein geraffteres Bundesliga-Programm am liebsten. Er sagt: „Das Beste wäre doch, wir würden morgen wieder spielen und könnten das zurechtbiegen.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar