Sport : Anlauf nehmen gegen die Langeweile

Jakub Janda kann wohl als Einziger Janne Ahonens vierten Sieg bei der Vierschanzentournee verhindern

Benedikt Voigt[Oberstdorf]

Jakub Janda hatte es eilig, die Siegerehrung in der Oybele-Festhalle in Oberstdorf zu verlassen. Zwar hatte der tschechische Skispringer zuvor das Podium erklimmen dürfen, was ein untrügliches Zeichen dafür ist, dass er zu den besten drei des Auftaktspringens der Vierschanzentournee zählte. Trotzdem beantwortete Janda alle Fragen nur einsilbig, seine Schulter zeigte zum Ausgang, geistig schien er die Festhalle bereits hinter sich gelassen zu haben. Wie stehen die Chancen auf den Gesamtsieg? „Das werden wir sehen“, sagte Jakub Janda missmutig, drehte sich um und stapfte davon.

Jakub Janda hofft vor dem morgigen Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen (13 Uhr 45, live auf RTL) auf mehr Glück. In Oberstdorf hatte eine Aufwindböe seinen Widersacher Janne Ahonen aus Finnland im ersten Durchgang zum Sieg getragen. „Wenn ich nur halb so gute Bedingungen gehabt hätte, wäre ich weiter geflogen“, sagte der tschechische Skispringer. Dass er den schwierigen Rückenwind zu einem dritten Platz nutzen konnte, unterstreicht nur die überragende Form des Führenden im Gesamtweltcup. Gegenwärtig scheint der Tscheche der Einzige zu sein, der verhindern kann, dass Ahonen zum vierten Mal die Vierschanzentournee gewinnt und mit Jens Weißflog in den Geschichtsbüchern gleichzieht. Der Finne Ahonen knüpft rechtzeitig zum ersten Saisonhöhepunkt an alte Leistungen an, der Erfolg von Oberstdorf war sein erster Sieg in diesem Winter. Der Norweger Roar Ljökelsoy sprang in Oberstdorf zwar auf Rang zwei, doch fehlen ihm bislang konstante Leistungen. Anders Jakub Janda, der in dieser Saison bereits vier Weltcupsiege feiern konnte.

Janda setzt inzwischen die tschechische Sprungtradition der achtziger Jahre um Pavel Ploc und Jiri Parma fort. Seit der slowenische Trainer Vasja Bajc zum tschechischen Verband gewechselt ist, springt Janda regelmäßig auf das Podest. In dieser Saison profitiert er auch von einer neuen Skimarke. Doch eigentlich zählt der 27-Jährige zu jenen älteren Springern, die erst nach der Festlegung des Body-Mass-Index (BMI) in die absolute Weltspitze aufrückten. Im Gegensatz zum Schweizer Andreas Küttel, der am Donnerstag in Oberstdorf mit Platz 20 seine bisherigen Leistungen nicht bestätigen konnte, hält der schüchterne Tscheche auch hohen Erwartungen stand. Beim Weltcup in Harrachov ließ er sich von seinen jubelnden Landsleuten nicht beirren und sprang am zweiten Tag auf Platz eins. „Ich bin physisch und mental stärker als je zuvor“, sagt er. Janda zählt auch zu den Ästheten des Skispringens, in Engelberg erntete er für seine extreme Vorlage in der Luft die Höchstnote 20,0.

Doch seine langjährige Erfahrung schützt ihn nicht vor Irrtümern. Bei der Qualifikation in Oberstdorf musste ihn die Jury disqualifizieren, er durfte nur deshalb am nächsten Tag im Wettbewerb springen, weil die ersten 15 des Weltcups ohnehin startberechtigt sind. Sein Vergehen lautete: zu lange Ski. Weil sich aber deren Länge nach dem Gewicht des Springers richtet, war das eigentliche Problem sein Untergewicht. 200 Gramm fehlten ihm, um den vorgeschriebenen BMI-Mindestwert von 20 zu erreichen. „Es war mein Fehler“, sagte Janda, „ich habe einfach vergessen, etwas zu trinken.“ Untergewichtige Skispringer tasten sich an den vorgeschriebenen Wert heran, indem sie unmittelbar vor dem Wettkampf viel Flüssigkeit zu sich nehmen. Ein Liter Wasser mehr im Körper bedeutet ein Kilogramm mehr auf der Kontrollwaage nach dem Springen. Janda hat diese Grundregel nicht beachtet. „Ich habe einfach nicht daran gedacht.“

Dieser Fehler dürfte ihm im heutigen Qualifikationsspringen in Garmisch-Partenkirchen (13 Uhr 45, live auf RTL) nicht mehr passieren. Vielleicht gelingt es ihm bereits im Neujahrsspringen, Ahonen zu überholen, im Gesamtklassement fehlen nur 8,3 Punkte. „Der Gesamtsieg ist möglich“, lautete Jakub Jandas erste Reaktion. Immerhin einer, der das Duell mit dem Dauersieger aus Finnland ernsthaft aufnehmen will.

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