Sport : Anlaufen oder auslaufen

Robert Ide

Die Wahl des Uefa-Präsidenten findet in Düsseldorf statt. Das ist kein Zufall. Lennart Johansson, der Präsident des europäischen Fußballverbandes, hat sie hierher verlegen lassen, um einen Deutschen als seinen Nachfolger zu inthronisieren: Franz Beckenbauer. Doch der WM-Organisator und Werbemillionär schlug das Ehrenamt aus. Nun muss sich Johansson mit einem Gegenkandidaten herumschlagen, den er verhindern wollte: dem Franzosen Michel Platini. Abseits der Rivalitäten kann sich Beckenbauer feiern lassen. Mit breiter Mehrheit dürfte er heute ins Exekutivkomitee des Weltverbandes Fifa berufen werden.

Der deutsche Fußball spielt in den Schaltzentralen des Weltfußballs nicht die wichtigste Rolle. DFB-Präsident Theo Zwanziger hat international noch nicht Fuß gefasst (auch weil sein alter Rivale Gerhard Mayer-Vorfelder seinen Platz in der Uefa-Exekutive nicht räumen will), Franz Beckenbauer hat höhere Ämter als den kleinen, feinen Regierungsposten in der Fifa-Exekutive ausgeschlagen. Ob es sich dabei um das langsame Herabsteigen des „Kaisers“ von seinem jederzeit öffentlichen, sein gesamtes Leben bestimmenden Fußballthron handelt oder doch um einen versteckten Anlauf auf die ganze Macht im Fifa-Hauptquartier, ist noch nicht ganz ausgemacht. Zurzeit spricht einiges für die erste Variante.

Vor knapp einem Jahr sah es so aus, als ob Franz Beckenbauer Uefa-Präsident würde. Nun erhält er zumindest die theoretische Möglichkeit, irgendwann Fifa-Chef Joseph Blatter zu beerben. Doch vielleicht macht der Mann, der bislang jede ihm angetragene Rolle perfekt ausfüllte, gerade seine wichtigste Wandlung durch: von der Lichtgestalt zum Privatmenschen. Es wäre seine Wahl.

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