Sport : Anmaßung und Vermächtnis

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Im Laufe seiner Amtszeit hat es einem Theo Zwanziger immer schwerer gemacht, ihn zu verstehen. Geradlinig war Zwanziger als Präsident des DFB gestartet, am Ende blieb viel Zick-Zack. Zuletzt bei der Frage seines Rücktritts. Ja, er wolle zurücktreten, aber nein, nicht gleich, sondern erst nach der Europameisterschaft. Es dürfte die letzte Amtsanmaßung des scheidenden Präsidenten gewesen sein. Denn wozu hätte der DFB Zwanziger noch bei der EM gebraucht? Es gibt bessere Grüßonkel. Und für den Fall, dass ein neuer Bundestrainer gesucht werden müsste, hat Zwanziger schon bei der letzten Verhandlung mit Joachim Löw wenig Geschick bewiesen.

Zum Glück hat Zwanziger eingesehen, dass es jetzt schneller gehen muss. Diese Kurve hat er noch bekommen. Im März wird er sein Amt abgeben. Und vielleicht erkennt er ja tatsächlich, dass ein DFB-Präsident gesellschaftlich viel erreichen, zu einem Titelgewinn bei einer Welt- oder Europameisterschaft aber genauso wenig beitragen kann wie Angela Merkel. Es wäre Zwanziger zu wünschen, dass in den verbleibenden zwei Monaten seiner Amtszeit noch sein Gespür für gesellschaftliche Themen zurückkommt, mit dem er den DFB aus dem Kreis der schlechten Herrenwitzerzähler herausgeführt und sich für Gleichberechtigung eingesetzt hat.

Nach seinen kleinen und großen Ungeschicktheiten ist dieses Vermächtnis Theo Zwanzigers ziemlich verschüttet worden. Als Ehrenpräsident wird er es hoffentlich wieder weiter pflegen können.

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