• Anorthosis Famagusta sollte Berlins Bundesliga-Kickern nicht den Weg an die fetten Fleischtöpfe versperren

Sport : Anorthosis Famagusta sollte Berlins Bundesliga-Kickern nicht den Weg an die fetten Fleischtöpfe versperren

Klaus Rocca,Michael Rosentritt

Wer sich vor dem zum Spiel des Jahres oder gar zum wichtigsten Spiel in der Vereinsgeschichte hochstilisierten Duell so locker und gelöst gibt, der ist sich seiner Sache sicher. Jürgen Röber, noch vor Monaten vor großen Spielen oft ein Nervenbündel, scherzte bei der gestrigen Pressekonferenz, als gelte es für den besten Witz prämiert zu werden. Was Röber so selbstbewusst und selbstsicher machte, war nicht nur die Gewissheit, mit Hertha BSC eine starke Mannschaft unter seinen Fittichen zu haben, auch lässt ihn - bei allem Respekt - der Gegner nicht vor Ehrfurcht erstarren. Anorthosis Famagusta, vor kurzem hierzulande ein fast unbeschriebenes Blatt, sollte Berlins Bundesliga-Kickern nicht den Weg an die fetten Fleischtöpfe versperren. Das ganz große Geld ist nun mal nicht im Uefa-Pokal, Trost für den Verlierer, zu machen, sondern in der Champions League. Und auf dem Weg dorthin will Hertha heute Abend im Olympiastadion (Anpfiff 20.45 Uhr) beim Qualifikations-Hinspiel der dritten Runde gegen die Zyprer die entscheidende Strecke zurücklegen. Damit es am 25. August im Brutofen von Larnaka gar nicht erst eine Zitterpartie gibt.

Selbst wenn bei der Provinzposse um die Sitze keine optimale Ausnutzung des Stadion-Fassungsvermögens möglich ist, fließt schon heute viel Geld in die Kassen des noch immer beträchtlich in den roten Zahlen stehenden Klubs. Vermutungen, bei vielleicht 57 000 Zuschauern, der Fernseh-Originalübertragung und der üblichen Vermarktung würden 2,5 Millionen Mark brutto zu Buche stehen, wollte Manager Dieter Hoeneß zwar nicht bestätigen, aber auch nicht dementieren. Dass bei so viel Geld auch die Spieler ordentlich partizipieren wollen, ist nur allzu verständlich. Angeblich forderten sie für jeden Einzelnen 100 000 Mark beim Erreichen der "Königsklasse". Auch das wollte Hoeneß nicht bestätigen. Er habe sich jedoch mit Mannschaftskapitän Kjetil Rekdal darauf geeinigt, die Vorbereitungen auf das heutige Spiel nicht durch weitere Gespräche zu belasten. Komme man sich später nicht näher, werde der Verein von sich aus die Prämie festsetzen. Das klang entschlossen und auch wenig warnend.

Röber war auch gestern sichtlich bemüht, allen Trubel von der Mannschaft fernzuhalten. Vor den Toren Berlins, am idyllischen Beetzsee, ließ er sie Kraft tanken für das Duell mit Famagusta. Am Abend verfolgte er dann mit Spannung dem letzten Härtetest des von einer Oberschenkelzerrung gepeinigten Ali Daei. Danach kam von der medizinischen Abteilung grünes Licht: Der Ex-Bayer wird heute neben Michael Preetz stürmen. Röbers "Traumduo" wird also nicht gesprengt.

Dieses angreifende Duo hat es auch Dusan Mitosevic angetan. Der 49 Jahre alte serbische Trainer Famagustas, der Hertha nur vom Video kennt, will erkannt haben, dass "Trainer Röber für jede Position in seinem Team mindestens eine ebenso gute Alternative hat". Anorthosis wird dagegen geschwächt antreten müssen. Mit Vladan Tomic (Rot-Sperre), dem ehemaligen Rostocker Bundesligaprofi Zoran Milinkovic (Gelb-Sperre) und Demetris Ioannu (Bänderverletzung) fehlen Mitosevic drei Leistungsträger. "Das ist ein Verlust, weil diese Spieler viel Erfahrung haben."

Für den Serben, der seinerzeit sieben Jahre für den ehemaligen jugoslawischen Klub Radnicki Nis stürmte, ist Hertha BSC der große Favorit, "aber wir werden trotzdem versuchen, hier ein Tor zu erzielen, denn nur dann wäre es für uns ein gutes Ergebnis". Auch Slovan Bratislava sei in der zweiten Runde der Qualifikation zur Champions League chancenreicher gehandelt geworden, "aber am Ende sind wir weitergekommen", sagte Mitosevic. Der Nigerianer Michael Obiku hatte die Slowaken mit drei Toren (2:1/1:1) im Alleingang "erschossen". Der Gast wolle heute in Berlin zeigen, "dass sich der zyprische Fußball in den letzten Jahren verbessert hat".

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