Sport : Anpfiff aus dem Ausländeramt

Man muss sich das ungefähr so vorstellen: Der FC Bayern München hat einen neuen Sponsor, sagen wir Bill Gates, und kauft während der Saison noch die Brasilianer Amoroso, Ewerthon, Ze Roberto, Marcelinho und Alex Alves. Der Deutsche Fußball-Bund erteilt den Edelkickern prompt die Spielgenehmigung, und der FC Bayern sieht sich schon auf dem Münchner Rathausbalkon die 78. oder 79. Deutsche Meisterschaft feiern. Da ruft Günther Beckstein an. "Moment", sagt der bayerische Innenminister, "ich erteile diesen Brasilianern keine Aufenthaltsgenehmigung in Bayern, weil das Kaufen dieser Spieler Wettbewerbsverzerrung wäre." Wie bitte?

Genau das passiert gerade in Werl, Westfalen. Hier, wo zwei Autobahnen (A 44, A 445) und drei Bundesstraßen (B 1, B 63, B 516) im Stadtgebiet Werl die Menschen zusammenbringen, wo die Nähe zum Regionalflughafen Dortmund die Stadt für den Rest der Welt erreichbar macht, wo das Missionsmuseum der Franziskaner "Forum der Völker" heißt, möchte auch der Bezirksligist Preußen TV Werl in Sachen Völkerverständigung nicht nachstehen. Der Fußballklub verpflichtete kurz vor dem Saisonendspurt mal eben sechs Brasilianer, die den Klub aus Liga sieben in Liga sechs zaubern sollen. Der Westfälische Fußball-Verband erteilte bereits vier Spielgenehmigungen, Werl jubelte: Sechste Liga, wir kommen. Doch es kam das Ausländeramt Soest, prüfte den Aufenthaltsstatus der Brasilianer und sprach: "Wettbewerbsverzerrung." Das ist lustig. Wenn das Schule macht, müssen in Zukunft die Bundesligisten am Samstag um 14 Uhr ihre Aufstellung zur Genehmigung an Innenminister Otto Schily faxen.

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