Sport : Anpfiff nach der Niederlage

Alba Berlin ärgert sich über die Schiedsrichter

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Alba Berlins Teammanager Henning Harnisch lenkte am Sonntagvormittag ein bisschen ein. Am Samstagabend, gleich nachdem Alba Berlin das Basketball-Bundesligaspiel bei der BG Karlsruhe 68:70 nach Verlängerung verloren hatte, hatte er die Leistungen der Schiedsrichter scharf kritisiert und gesagt: „Sie haben das Spiel entschieden.“ Nachdem Harnisch eine Nacht darüber geschlafen hatte, wollte er den Satz so nicht wiederholen, aber doch grundsätzlich an seiner Kritik festhalten.

Für Claus Lauprecht, einen der drei Schiedsrichter, die das Spiel leiteten, war Harnischs Kritik nicht nachzuvollziehen. „Das Spiel ist vollkommen unkompliziert verlaufen, auch die Spieler haben sich nicht über Entscheidungen beklagt“, sagte er. 20 Fouls pfiffen die drei Schiedsrichter gegen Karlsruhe, 30 gegen Berlin. Das erklärt sich Uwe Sauer, Trainer von BG Karlsruhe, so: „Die Berliner haben oft mit einer Halbfeld-Zonen-Presse gearbeitet. Dabei haben sie eben mehr gefoult als wir.“ Im Mittelpunkt von Harnischs Kritik standen allerdings die Pfiffe gegen Berlins herausragenden Center Jovo Stanojevic, der wegen fünf persönlicher Fouls bereits früh im vierten Viertel ausscheiden musste. Die fünf Fouls waren alle Offensivfouls. Eigentlich kommt so etwas beim Basketball extrem selten vor. „Die Schiedsrichter haben Jovo kein Basketball spielen lassen“, sagte Harnisch.

Sauer sah das ganz anders: „Es hätten auch zehn Fouls gegen ihn gepfiffen werden können.“ Sein Kotrainer Horst Schmitz ergänzte ihn: „Die Schiedsrichter haben endlich Rückgrat gezeigt und Stanojevic mal keinen Freibrief erteilt.“ Schmitz, der Anfang der Neunzigerjahre selbst in Berlin gespielt hat, findet, dass es häufig sogar umgekehrt s+ei und die Berliner bevorteilt werden: „Tendenziell wird immer für Alba gepfiffen. Als ich in Berlin gespielt habe, da habe ich das genossen. Bei einem kleineren Verein ist es nun schwierig, damit umzugehen.“

Schmitz steht mit seiner Meinung nicht allein. Vor knapp zwei Wochen verfasste Oldenburgs Trainer Don Beck in Absprache mit seiner Vereinsführung einen Brief an die Basketball-Bundesliga. In diesem Brief bezieht sich Beck unter anderem auf drei Bundesligaspiele, die Alba knapp gewann. Eines davon gegen Oldenburg. Die Gegner Albas seien in diesen Spielen massiv benachteiligt worden, so der Tenor des Schreibens. „Es handelt sich um ein Problem, das die ganze Liga betrifft“, schreibt Beck. Und weiter: „Wenn wir nicht bald etwas unternehmen, verlieren nicht nur die Spieler, sondern auch die Zuschauer und Sponsoren das Interesse an unserem Sport, da zu viele Spiele nicht durch sportliche Leistungen entschieden werden.“ Albas Vizepräsident Marco Baldi sagte gestern dazu: „Auf diesem unteren Niveau von Beck argumentiere ich nicht.“

Harnisch befürchtet nun, dass dieser Brief die Schiedsrichter beeinflusst hat: „Es scheint so, dass der Brief seine Wirkung hinterlässt.“ Klaus Metzger wiederum glaubt, das sei absolut ausgeschlossen. Metzger ist Technischer Kommissar der Liga. Er bewertet die Leistungen der Schiedsrichter. Für das Spiel Berlin gegen Karlsruhe war er zuständig und hat die Leistung der drei Schiedsrichter als gut bewertet. „Vielleicht waren zwei oder drei strittige Entscheidungen dabei, aber auf keinen Fall wurde dadurch eine Mannschaft benachteiligt“, sagt er.

Albas Trainer Henrik Rödl fühlte sich aber sehr benachteiligt: „Wegen Betreten des Spielfeldes und Meckerns hat er ein Technisches Foul bekommen“, sagt Metzger. Karlsruhes Trainer Sauer findet sogar, dass Harnisch für sein Verhalten eigentlich aus der Halle hätte geschmissen werden müssen. „Ich habe mehr Professionalität von ihm erwartet. Aber er ist ja noch jung und kann noch lernen.“ Wie Sauer angesichts von 38 Freiwürfen für Karlsruhe und nur 14 für Alba an Berliner Stelle reagiert hätte, sagte der Trainer aber lieber nicht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar