Sport : Anreiz statt Zwang

Christian Hönicke

Brauchen deutsche Fußballer Artenschutz? In der kommenden Saison fallen in der Ersten und Zweiten Bundesliga die letzten Ausländerbeschränkungen, weil sie dem EU-Wettbewerbsrecht widersprechen. Theoretisch dürften künftig elf Brasilianer für Bayern München auflaufen. Deshalb wird momentan darüber diskutiert, ob die Einführung einer Kaderbegrenzung von 25 Spielern pro Verein nötig ist, um die vorgeschriebenen zwölf deutschen Spieler nicht zu bloßen Quotendeutschen zu degradieren, die ohne Aussicht auf Spielpraxis nur zur formalen Erfüllung dieses Ziels in die Kader gehievt werden.

Auf den ersten Blick erscheint diese Regelung sinnvoll, dennoch garantiert sie nicht mehr Einsatzzeiten für potenzielle Nationalspieler. Besser – und mithin auch für die Vereine interessanter und deswegen realistischer – ist der Vorschlag, den Klubs ein paar Millionen mehr zukommen zu lassen, die sich dadurch hervortun, dass sie deutsche Talente nicht nur auf die Bank, sondern auch vermehrt aufs Spielfeld schicken. Anreiz statt Zwang – so fühlt sich kein Fußball- Manager gegängelt und kann die bisher unattraktive Nachwuchsstrategie über Zusatzeinnahmen abfedern und vielleicht sogar als Einnahmequelle etablieren.

Nein, deutsche Spieler brauchen keinen Artenschutz. Sie brauchen nur Vereine, die ihnen eine Chance zur Entwicklung geben. Bisher waren dies vor allem Klubs mit finanziellen Schwierigkeiten wie Hertha oder Borussia Dortmund, die sich ausländische Spieler nicht mehr leisten konnten. Mit ein wenig Zuwendung finden sich ganz sicher noch ein paar andere.

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