Anschutz will verkaufen : Alles kann raus

Eisbären-Eigner Anschutz will sein Unternehmen verkaufen. Darunter ist auch die Anschutz Entertainment-Group (AEG), die Arenen und Klubs in Nordamerika und Europa besitzt. Auch die Arena am Berliner Ostbahnhof und die Eisbären gehören dazu. Was heißt das für den Berliner Klub?

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Milliardär mit Eishockeymillionären: Anschutz mit seinen Los Angeles Kings nach Gewinn des NHL-Titels 2012.
Milliardär mit Eishockeymillionären: Anschutz mit seinen Los Angeles Kings nach Gewinn des NHL-Titels 2012.Foto: rtr

Philip Anschutz ist 76 Jahre alt. Und der Geschäftsmann macht sich Gedanken, was mit seinen Geschäften künftig passiert. Zum weitverzweigten Imperium des US-Amerikaners gehört auch die in der Sportbranche tätige Anschutz Entertainment-Group (AEG). Nur leider, so wird kolportiert, interessieren sich die Kinder des Milliardärs aus Denver nicht für Sport. Womöglich deshalb hat Anschutz die AEG zum Verkauf angeboten und sucht einen Interessenten, der das Tochterunternehmen in seinem Sinne weiterführen will. Der Käufer soll das Gesamtpaket übernehmen – Arenen und Klubs in Nordamerika und Europa, darunter auch die Arena am Berliner Ostbahnhof und den EHC Eisbären.
Die Note über das Verkaufsangebot aus dem fernen Los Angeles, der AEG-Konzernzentrale, ist an der Berliner Basis angekommen. Moritz Hillebrand, Vizepräsident für Kommunikation in der europäischen AEG-Filiale sagt unaufgeregt, er möchte zu dem Thema nicht zitiert werden. Eisbären-Manager und Geschäftsführer Peter John Lee glaubt, dass die Anschutz-Gruppe womöglich mit dem Verkaufsangebot nur den Marktwert des Tochterunternehmens teste. „Die haben ja auch schon die Hamburg Freezers und die Los Angeles Kings angeboten, aber dann haben sie nicht verkauft.“
Die Eisbären sind für Anschutz ein erfolgreiches Mosaiksteinchen im europäischen Geschäft der AEG. Fan ist Anschutz nur nebenbei. Wenn er bei einem Spiel in seiner Berliner Halle ist, bekommt der Eisbären-Fan davon nichts mit. Und Interviews hat Anschutz seit den Sechzigerjahren nicht mehr gegeben. 2004 hat er sich mal auf eine Pressekonferenz verirrt – bei einem Turnier seiner Eishockeyteams in London. Da hat der Milliardär Schnittchen im Presseraum goutiert und dem heutigen Präsidenten der AEG, Tim Leiweke eine Frage gestellt: „Mister Leiweke, ich habe gehört, dass sie jetzt immer mehr in Fußball investieren?“ Die Antwort war egal, die Journalisten reagierten ehrfürchtig verdutzt, Anschutz grinste sich einen. Wer mit seinen Millionen viel ermöglicht, der darf das schon mal. Doch wie das mit den Mächtigen so ist: Die, mit denen sie es gut meinen, haben Respekt vor ihren Mäzenen. Denn was, wenn der Zahlmeister die Lust verliert? Was passiert mit den Eisbären, wenn Anschutz nicht mehr da ist?
Nach Lage der Dinge nichts. Anschutz will den Klub nicht als Einzelstück verkaufen – und wenn müsste er den Fehlbetrag von über 30 Millionen Euro ausgleichen, dafür hat er eine Patronatserklärung abgegeben. Der Klub funktioniert vor allem als ein Motor für die von Anschutz errichtete Arena am Ostbahnhof. Mindestens 30 Termine besetzen die Eisbären im Jahr, der Umsatz ist in der stets vollen Halle mit den konsumfreudigen Eishockeyfans garantiert. In fast jeder großen deutschen Arena spielen Eishockeyklubs – auch in der Hamburger Anschutz-Halle. Weil die Teams eben als sogenannte Ankermieter feste Einnahmen garantierten, sagt Geschäftsführer Lee. „Es ist für jeden Halleneigner wichtig, dass es uns gibt.“ An dem Konstrukt würde sich im Falle einer neuen Eignerschaft bei den Eisbären nichts ändern. Im Falle AEG, sagt Lee, müsse aber erst einmal ein Käufer gefunden werden.
Das sei ob der Unternehmensgröße eine hohe Preisfrage. Daher, sagt Peter John Lee, „kann es gut sein, dass gar nichts verkauft wird“.

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