Sport : Anstoß in Yokohama

Die Deutsche Fußball-Liga hat eine Vision: Die Bundesliga soll in Asien spielen

Martin Hägele

Stuttgart. Es war eine nette Geste an den Neuen aus dem Land der Höflichkeiten: In der 89. Minute wechselte HSV-Trainer Kurt Jara Mittelstürmer Naohiro Takahara aus, der Japaner konnte sich so nach seiner Bundesliga-Premiere in der AOL-Arena gegen Werder Bremen solo feiern lassen. Japans Fußballer des Jahres ist auf bestem Weg, in Hamburg Publikumsliebling zu werden. Die feine hanseatische Gesellschaft gewöhnt sich zumindest kulinarisch an den Star aus Fernost: Im Vip-Bereich gibt es jetzt auch eine Sushi-Bar.

Den Transfer des Torjägers von Jubilo Iwata hat der HSV nicht allein unter sportlichen Aspekten getätigt. Takahara soll auch dafür sorgen, dass sich dank der interkontinentalen Partnerschaft gute Geschäfte machen lassen.

Jiayo Shao hat auch ordentlich Applaus bekommen, als er nach 58 Minuten zwischen 1860 München und Hansa Rostock seinen Einstand im Olympiastadion hatte. Dem Chinesen waren jede Menge Reporter und Geschäftsleute aus der Heimat hinterhergereist. Viele Millionen Menschen saßen in China vorm Fernseher, um Shaos Deutschland-Debüt zu sehen. Angesichts eines solchen Fan-Potenzials lässt es sich hochrechnen, wie bald sich der 22-Jährige, der 1,4 Millionen Euro kostete, refinanziert hat.

Der neue HSV-Präsident Bernd Hoffmann fordert: „Die Liga sollte die sich bietende Chance in Asien nutzen.“ Michael Pfad von der Deutschen Fußball-Liga hat gar Visionen. Ihm schwebt in ferner Zukunft eine Saison- Eröffnung der Bundesliga in Peking oder Yokohama vor, und wieso solle nicht Rudi Völler einmal durch China reisen und heimische Talente schulen. Man brauche solche verrückten Maßnahmen, um entsprechende Aufmerksamkeit zu erreichen, glaubt Pfad.

Vorbei sind die Zeiten, als ein Fan Zhy für 2500 Mark im Monat bei Waldhof Mannheim in der Zweiten Liga spielen wollte. Der damalige Coach Uli Stielike sagte: „Was soll ich mit dem Chinesen?“ Fan Zhy wird demnächst Chinas Rekordnationalspieler. Als Zhy vor sieben Jahren bei Crystal Palace unterschrieb, galt dieser Wechsel noch als Sensation. Heute müssen Arie Haan, Humberto Cuelho oder Zico, die Nationaltrainer von China, Südkorea und Japan, schon einen zweiwöchigen Europa-Trip buchen, wenn sie ihre besten Spieler besuchen wollen. Auch der FC Bayern München hat den Trend erkannt. Der Vorstandsvorsitzende Karl– Heinz Rummenigge hat gerade die Verpflichtung eines Profis aus Asien angekündigt.

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