Sport : Ante S. redet und redet

Weitere Einlassungen im Hoyzer-Prozess

Sven Goldmann

Berlin - Ante S. hat viel geredet an den ersten beiden Tagen im Prozess um den betrügerischen Fußball-Schiedsrichter Robert Hoyzer. Zwei Stunden waren es am ersten Verhandlungstag, gleich vier am zweiten, und bevor der Kroate sich am Dienstag an die Fortsetzung im Prozess um manipulierte Fußballspiele machte, wollte er erst einmal etwas klar stellen. „Wenn hier der Eindruck entstanden sein sollte, dass ich Robert als Drahtzieher bezeichnet habe, dann tut mir das Leid.“ Dann zitierte S., der mit Wetten auf von Hoyzer manipulierte Spiele ein Vermögen verdient hatte, ein kroatisches Sprichwort: „Man muss einen Frosch nicht überreden, ins Wasser zu springen. Robert ist nun mal geldgeil, ich bin ein Zocker.“

Hoyzer nahm die Aussage ohne Regung zur Kenntnis, sein Anwalt Thomas Hermes konstatierte: „Damit hat Ante S. seine Aussage in einigen Punkten relativiert.“ S. aber relativierte sofort das Relativierte: „Ich könnte ja viel erzählen, zum Beispiel über Roberts Verhältnis zu seinem Vater, zu seiner Freundin oder seinen Freunden“, aber das müsse doch nicht sein. Das lässt sich durchaus als dezenter Hinweis an Hoyzer interpretieren, er möge seine eigene Aussage gut überdenken. Schon gestern plauderte Ante S. munter über einen Abend in einem Münchner Nachtclub. Hoyzer habe Kontakt zu ukrainischen Frauen gesucht und immer wieder Champagner bestellt. Erst auf Drängen von Ante S. habe er gegen vier Uhr völlig betrunken den Club verlassen. Auf seinem Hotelzimmer habe Hoyzer in den Geldscheinen gebadet, die Ante S. als Lohn für die beabsichtigte Manipulation des Zweitligaspiels zwischen Unterhaching und Saarbrücken mitgebracht hatte. Ante S. hatte auf einen Unterhachinger Sieg gesetzt, doch Saarbrücken gewann 3:1.

Außerdem sagte Ante S., Hoyzer habe ihm erzählt, der Schiedsrichter Manuel Gräfe führe ein Konto beim privaten Wettanbieter „betandwin“. Dagegen verwahrt sich der Berliner Gräfe, der mit seinen Kollegen Zwayer, Fröhlich und Blumenstein den Deutschen Fußball-Bund über ihren Verdacht zu Hoyzer informiert hatte. „Diese Aussage entbehrt jeder Grundlage. Ich werde gegen jede Art von Lügen und Diffamierungen juristisch vorgehen, die wie in diesem Fall sogar ganz einfach objektiv zu widerlegen sind“, sagte Gräfe dem Tagesspiegel. „Ich werde presserechtliche Unterlassung und Widerrufsansprüche sowie etwaige Schadenersatzansprüche unverzüglich durchsetzen lassen.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben