Sport : Anti-Dopingkampf: Die letzte Runde ist eingeläutet (Kommentar)

Ernst Podeswa

Auch wenn Dieter Baumann im ZDF-Sportstudio dem Leichtathletik-Weltverband IAAF das Recht absprach, seinen Dopingfall zu prüfen, hat der DLV die Begründung des Freispruchs durch den DLV-Rechtsausschuss nach Schweden übermittelt. Nun wird die Antidopingkommission der IAAF mit deren Chef Arne Ljungqvist das Urteil prüfen. Die daraus folgende Bewertung kann das IAAF-Council veranlassen, die Sache als erledigt zu betrachten - oder den Fall zur Entscheidung dem IAAF-Schiedsgericht (Arbitration Panel) unter Leitung von Christoph Vedder (München) zuzuleiten. Vedder muss dann einen Kollegen mit dem Vorsitz beauftragen, um den Verdacht nationaler Kungelei auszuschalten.

Dieses Prozedere ist durch IAAF-Richtlinien vorgegeben. So war es auch bei Merlene Ottey. Könnte die Aufhebung ihrer Suspendierung durch das Abritration Panel Baumanns Chancen auf ein ähnliches Urteil begünstigen? Eine Frage, die Ljungqvist und Vedder ausweichend beantworten: "Man kann einen Nandrolonfall nicht mit dem anderen vergleichen. Ansonsten können wir zu einem schwebenden Verfahren natürlich nichts äußern."

Das Umfeld Baumanns, allen voran Anwalt Michael Lehner, hatte den Ausgang der Affäre Ottey in erster Begeisterung als positives Signal gedeutet. Gab es nicht auch da Verfahrensfehler? Umstrittene Labortätigkeit? Sogar das Zugeständnis, dass überhöhte Nandrolonwerte durchaus möglich wären. Eine Ansicht, die der Baumann-Berater Werner Franke (Heidelberg) wochenlang vehement vertrat. Dabei außer acht lassend, dass der Läufer weder schwanger, weiblich oder gar Fußballer ist, bei denen "natürlich überhöhte" Nandrolonkonzentrationen festgestellt worden sein sollen.

Das tatsächliche Geschehen im Spektakel um die Jamaikanerin spricht jedoch eher gegen gute Aussichten des Tübingers, gleichfalls ungeschoren aus der Geschichte heraus zu kommen. Die Beweislastumkehr - die IAAF müsse nachweisen, der Sportler habe gedopt - hat das Arbitration Panel bei Ottey strikt verworfen. Ebenso deren Hinweis auf rätselhafte körpereigene Überproduktion. Und ob die Attentatsthese, von der Baumann nun behauptet, sie stamme nicht von ihm, im Ausland so abgenommen wird wie teilweise in Deutschland, dürfte zweifelhaft sein. Ob Dieter Baumann will oder nicht - das Rennen geht in die letzte entscheidende Runde. Früher war das eine besondere Stärke des Olympiasiegers.

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