Sport : Antrag nach dem Aus: Frankreichs Trainer muss wohl gehen

Matthias Sander

Zürich - Als alles vorbei war, hatte Raymond Domenech plötzlich ein inniges Bedürfnis nach menschlicher Nähe. Nach seiner Zukunft als französischer Nationaltrainer befragt, antwortete er: „Ich habe nur ein Vorhaben, und das ist Estelle zu heiraten. Ich halte heute um ihre Hand an.“ Jene Estelle Denis saß nicht etwa irgendwo vor einem Fernseher, sie moderierte eine Fernsehsendung rund um das Spiel der Franzosen. Nicht nur sie war verblüfft. Da war also Frankreich gerade durch das 0:2 gegen Italien ausgeschieden, und Domenech dachte nur an seinen ganz privaten Bund fürs Leben.

Damit scheint Domenech auch die letzten ihm Wohlgesinnten vergrault zu haben. Noch am Dienstagabend forderten die ersten die Ablösung des Trainers, der noch einen Vertrag bis 2010 hat. Der Ex-Bayern-Spieler Bixente Lizarazu sagte, es sei „das Mindeste, dass es nach einem solchen Ausscheiden einen neuen Trainer geben wird“. Er sprach sich für Didier Deschamps aus, auch Jean Tigana wird gehandelt. Dass Domenech überhaupt gehen muss, ist aber noch nicht sicher. Der französische Verband will seine Entscheidung erst am 3. Juli bekannt geben. Fest steht bisher nur das Ende der Nationalmannschaftskarrieren von Claude Makelele und Lilian Thuram.

Nach den beiden ersten schwachen Auftritten bei der EM merkte man den Franzosen auch gegen Italien ihre Verunsicherung an. Und die wurde noch größer, als Franck Ribéry in der 8. Minute Zambrotta foulte und danach verletzt vom Platz transportiert wurde. Der Verdacht auf Unterschenkelbruch bestätigte sich am Mittwoch nicht, stattdessen wurde bei Ribéry ein Riss des Syndesmoseband oberhalb des linkes Knöchels festgestellt. Der Spieler des FC Bayern wird heute wahrscheinlich operiert und fällt rund sieben Wochen aus.

Im französischen Team soll nun ein Generationswechsel stattfinden. Ob mit Domenech, bleibt offen. Denn abgesehen von seinem unerwarteten Heiratsantrag sagte Domenech zu seiner Zukunft nur: „Wie es mit mir weiter geht, spielt keine Rolle.“ Matthias Sander

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