Sport : Anwärter auf die Radkappe

Nach sechs Spieltagen zeigt Hertha BSC sich und der Konkurrenz, dass der Weg zur Unterhaus-Meisterschaft nur über sie geht

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Wechseln ohne Verlust. Auch in Cottbus holte Herthas Trainer Babbel seinen Torschützen Rob Friend vom Feld, ohne an Qualität zu verlieren. Foto: dpa
Wechseln ohne Verlust. Auch in Cottbus holte Herthas Trainer Babbel seinen Torschützen Rob Friend vom Feld, ohne an Qualität zu...Foto: dpa

Berlin - Als beim Abgang der Fußballprofis von Hertha BSC aus dem Cottbuser Stadion am Freitagabend reichlich Bierbecher und Feuerzeuge auf den plexiverglasten Spielertunnel prasselten, war es irgendwie auch ein gutes Zeichen. Abneigung muss man sich verdienen. Die Spieler des FC Bayern München können von ihren Auswärtsfahrten viele solcher Geschichten erzählen, es ist eben so, dass dem Branchenführer, wo immer er gastiert, eine gewisse Abneigung entgegenschlägt. So gesehen ist Hertha BSC ein ganzes Stück vorangekommen. Man ist wieder wer.

Auch wenn sich das alles eine Etage unter dem großen Fußball abspielt, so zeigt es doch, was die Konkurrenz schon vor Saisonbeginn befürchtete: Der Berliner Zweitligist ist eine Klasse für sich. Nach sechs Spieltagen steht Hertha mit 16 Punkten am oberen Ende der Tabelle der Zweiten Liga, und damit genau da, „wo wir auch am Ende der Saison stehen wollen“, wie es gestern Markus Babbel sagte. Der 38 Jahre alte Trainer wollte eine erste kleine Bilanz nach dem sechsten Spieltag ziehen. Nach dem schweren Auswärtsspiel bei Energie Cottbus werde man wissen, wo man steht. Nach dem 1:0-Sieg in der Lausitz lässt sich sagen: Hertha steht nach fünf Siegen und einem Unentschieden ganz hervorragend da.

Beim FC Bayern war es jahrelang so, dass der gerade auch sogenannte Schweinespiele gewonnen hat. So bezeichnet man Spiele, die keinen eindeutigen Sieger verdient haben. Und hinterher hieß es dann: Wer solche Spiele gewinnt, wird am Ende auch Meister werden! Womit wir wiederum bei Hertha wären. Berlins Zweitligist, der im Gegensatz zur restlichen Konkurrenz auch im Unterhaus einen Bundesligakader unterhält, ist von dieser nicht ohne Grund als „FC Bayern der Zweiten Liga“ bezeichnet worden. Nach sechs Spieltagen ist aus der Vorahnung ein gutes Stück Gewissheit geworden. Hertha ist drauf und dran, das Unterhaus zu dominieren.

Seit einem Jahr gibt es auch für den Saisonbesten der Zweiten Liga eine Trophäe in Schalenformat zu gewinnen. Bis dahin hatte der Klassenbeste lediglich einen Wimpel bekommen. Das war der Deutschen Fußball Liga (DFL) irgendwann zu popelig geworden, weshalb sie 2009 eine neue silberne Trophäe (Versicherungswert 30 000 Euro) spendierte, die dem Original optisch nahekommen sollte, aber mehr einer Rallyeradkappe ähnelt. Sei’s drum. Nicht die Schale zählt unten, sondern dass man das Unterhaus verlassen und aufsteigen darf.

„Wir wissen, dass uns ein klasse Einstand gelungen ist“, sagte Babbel am Tag nach dem 1:0 in Cottbus. Hinter seiner Mannschaft liegt eine erfolgreiche Woche mit drei Spielen innerhalb von sieben Tagen. Die Ausbeute von sieben der neun möglichen Punkte ist das eine. Ebenso wichtig ist, was die Mannschaft erfahren hat. Dass man a) ein Spiel, das man nicht gewinnen kann, wie vor einer Woche in Köpenick, nicht verlieren muss. Dass man b) Mannschaften wie den Karlsruher SC auch spielerisch zerlegen kann, und wenn man c) kämpferisch dagegenhält wie in der Lausitz, am Ende auch der größere Wille Spiele entscheiden kann.

„Ich hoffe, dass das bei der Konkurrenz Eindruck hinterlässt“, sagte Markus Babbel. Nichts passt dem Berliner Trainer besser in den Kram, als dass die Gegnerschaft in Ehrfurcht fällt. Denn auffällig ist nach den ersten sechs Runden auch, dass Herthas jeweiliger Gegner nie seine Bestform abrufen konnte. Es ist müßig, darüber zu philosophieren, warum es so war: War der Respekt vor Hertha so groß oder aber haben die Berliner nicht mehr zugelassen?

Markus Babbel jedenfalls hat für sich eine Erklärung gefunden. Wenn jeder seiner Spieler bereit sei, von seiner persönlichen Qualität und Leidenschaft für die Mannschaft abzugeben, dann „sind wir nur ganz schwer zu schlagen“. Was man inzwischen auch in der Lausitz weiß.

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