Sport : Apokalypse später

Borussia Dortmund dreht ein verloren geglaubtes Spiel und siegt 3:2 gegen den HSV

Felix Meininghaus

Dortmund. Vor vier Tagen, nach der schlimmen Vorstellung im Pokal bei Borussia Mönchengladbach, hat Matthias Sammer mal wieder sein Herz auf der Zunge getragen. Seine Ausführungen veranlassten die „Süddeutsche Zeitung“ zu der Vermutung, Dortmunds Trainer habe soeben „die Apokalypse ausgerufen“. Ganz weit unten werden die Dortmunder trotz ihrer Verletzungssorgen wohl nicht landen. Der BVB hat sein Sonntagsspiel in der Bundesliga gegen den Hamburger SV mit 3:2 (0:1) gewonnen, doch das gelang nach einem 0:2-Rückstand nur aufgrund einer erstaunlichen Energieleistung. Nach dem sechsten Sieg im sechsten Heimspiel rangiert der BVB auf Platz vier der Tabelle noch vor dem FC Bayern.

Von Untergang also keine Spur, doch Sammer würde sich selbst untreu, träte er nicht weiterhin als Mahner auf: „Ich wiederhole meine Worte gerne noch einmal: Die Gesetzmäßigkeiten des Fußballs werden auch vor Borussia Dortmund nicht Halt machen.“ Angesichts der vielen Verletzten hatten die Dortmunder einen Antrag gestellt, mehr als die sonst erlaubten vier Amateure im Kader zu haben. Insgesamt waren es sieben. Doch die jungen Dortmunder Offensivspieler David Odonkor (19), Salvatore Gambino (19) und Enrique Ewerthon (23) versuchten von Beginn an, die lange und schwerfällige Hamburger Deckungsreihe mit Tempofußball zu überrumpeln. Ein Ansinnen, das eine Viertelstunde lang gut funktionierte, vor allem Odonkor hatte eine Reihe guter Szenen. Das alles war jedoch hinfällig, als der HSV mit dem ersten Schuss aufs Tor in Führung ging. Als Torschütze ließ sich Manndecker Bastian Reinhardt feiern, der eine Hereingabe von David Jarolim ins lange Eck verlängerte.

Danach waren auch die wohlmeinenden Ansätze der Gastgeber verflogen. Der BVB tat sich vor allem bei der Spielgestaltung enorm schwer. Ohne Kreativkräfte wie Rosicky, Conceicao oder Frings fehlt die ordnende Hand im Mittelfeld. Ein Manko, das Lars Ricken und Stefan Reuter in der Zentrale nicht zu beheben wussten. Und so blieb nach dem Hamburger Führungstreffer bis zur Pause nicht viel mehr als Leerlauf.

Eine Besserung des spielerischen Notstands trat auch nach der Pause zunächst nicht ein. Als dann auch noch das 2:0 durch den Abstauber von Bernardo Romeo fiel, schien die Partie entschieden. Doch in aussichtsloser Lage raffte sich der BVB zu einer kaum glaublichen Aufholjagd auf und drehte in sechs Minuten das Spiel: Jan Koller per Kopf nach Flanke von Niclas Jensen (63. Minute) und per Elfmeter nachdem Juan Fernandez von Tomas Ujfalusi gelegt worden war (66.) sowie Ewerthon nach Rickens Flanke (69.) – urplötzlich hatten die Dortmunder das Spiel gedreht. „Einen solchen Knock-out habe ich noch nie erlebt“, sagte Reinhardt nach der Partie: „Nach solch einer Riesenenttäuschung, da bist du im Kopf total leer.“

Während die Dortmunder ihre wundersame Auferstehung feierten, sucht der HSV weiter nach dem Weg aus der Krise. Zum zweiten Mal in Folge unter dem neuen Trainer Klaus Toppmöller wussten die Hamburger einen 2:0-Vorsprung nicht über die Zeit zu bringen. „Dass wir so wegbrechen, ist völlig unverständlich“, sagte Toppmöller und verband seine Analyse mit klarer Kritik an der Arbeit seines Vorgängers Kurt Jara: „Wir haben einfach nicht die Kraft, ein solch hohes Tempo 90 Minuten mitzugehen.“

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